World-Building: Informationen ordnen

World-Building: Informationen ordnen

Als Autoren spie­len wir Gott und erschaf­fen eige­ne Wel­ten. Doch beim World-Buil­ding wird es schnell unüber­sicht­lich – zumin­dest, wenn Du Dei­ne Infor­ma­tio­nen nicht gründ­lich und geschickt ord­nest. Um zu ver­mei­den, dass Du Dich in Dei­ner eige­nen Welt irgend­wann nicht mehr zurecht­fin­dest, stel­le ich Dir in die­sem Arti­kel eini­ge Mög­lich­kei­ten vor, die Infor­ma­tio­nen über Dei­ne Welt über­sicht­lich zu halten.

Die Foli­en für die­ses Video gibt es für Ste­ady-Abon­nen­ten und Kanal­mitglieder auf You­Tube als PDF zum Download.

Ob Du Dei­ne Geschich­te in der rea­len Welt ansie­delst und nur um eine fik­ti­ve Stra­ße ergänzt oder eine kom­plett neue Welt erschaffst, die ihren eige­nen Regeln folgt – World-Buil­ding macht Spaß.

Doch je mehr Details Du her­aus­ar­bei­test, des­to ver­wir­ren­der wird es.

Des­we­gen musst Du die­se Details irgend­wie orga­ni­sie­ren. – Aber wie? In die­sem Arti­kel bekommst Du ein paar Tipps.

Grundlegendes

In einem frü­he­ren Arti­kel haben wir bereits eini­ge all­ge­mei­ne Grund­la­gen ange­spro­chen. So zum Bei­spiel, dass es in jedem Gen­re World-Buil­ding gibt. Wenn im Film Girls Club – Vor­sicht bis­sig!, der an einer ame­ri­ka­ni­schen High School spielt, bei­spiels­wei­se die ver­schie­de­nen Schü­ler­grup­pen vor­ge­stellt wer­den, dann ist das schon World-Building.

Von zen­tra­ler Bedeu­tung ist dabei die Prä­mis­se: Denn hier wird in einem Satz for­mu­liert, wor­um es in der Geschich­te geht. Wenn die Geschich­te also in sich stim­mig sein soll, dann müs­sen sämt­li­che Bestand­tei­le und damit auch das World-Buil­ding sich nach der Prä­mis­se rich­ten. Denn jede Geschich­te erfor­dert eben ihre eige­ne Welt, ihr eige­nes Set­ting, das zum Gesamt­kon­zept und zur Gesamt­aus­sa­ge des Werks passt.

Im Zusam­men­hang mit der Prä­mis­se steht auch die Fra­ge nach der Rele­vanz. Denn Du kannst für Dei­ne Geschich­te ja alles Mög­li­che erfin­den – aber wor­auf es letzt­end­lich ankommt, sind zumin­dest die Hand­lungs­or­te, die Gesell­schafts- und Fami­li­en­struk­tu­ren etc.: also die Tei­le der Welt, mit denen die Figu­ren in direk­ten Kon­takt kom­men, die die Figu­ren ver­än­dern oder von den Figu­ren ver­än­dert wer­den. Sinn­voll kann es außer­dem sein, auch die Orte und Struk­tu­ren her­aus­zu­ar­bei­ten, wo die Figu­ren her­kom­men bzw. wo die Figu­ren ihre Prä­gung erfah­ren haben.

An die­sem Punkt wird im Übri­gen auch sicht­bar, wie eng ver­wo­ben die Arcs der Figu­ren und vor allem des Prot­ago­nis­ten mit dem World-Buil­ding sein soll­ten. Denn wenn die Geschich­te ein in sich stim­mi­ges Gesamt­kon­strukt erge­ben muss, dann reicht es nicht, wenn die Figu­ren ein­fach in irgend­ei­ner Welt leben, son­dern die Welt muss genau so sein, wie die Geschich­te es erfor­dert. Aber weil wir Autoren bei der Erschaf­fung unse­rer Wel­ten ja gott­glei­che Frei­heit haben, steht uns nichts im Wege, die fik­ti­ve Welt auch tat­säch­lich an den Bedürf­nis­sen der jewei­li­gen Geschich­te auszurichten.

Dabei kannst Du natür­lich noch sehr viel mehr Details her­aus­ar­bei­ten, als Du brauchst. Doch nicht alles davon gehört in die Geschich­te selbst, denn zu vie­le Details kön­nen ver­wir­ren und ablen­ken. Gib dem Leser also nur so vie­le Infor­ma­tio­nen wie nötig.

Aller­dings stimmt es auch, dass Details eine Welt über­haupt erst leben­dig wir­ken las­sen: Denn sie näh­ren das Kopf­ki­no. Wenn es sich in einer kon­kre­ten Sze­ne also anbie­tet, gib dem Leser ruhig ein paar schmü­cken­de Ein­zel­hei­ten. Hal­te ihm aber kei­ne Vor­trä­ge. Denn soge­nann­tes Info-Dum­ping lang­weilt und über­for­dert. Die hei­li­ge Grund­re­gel lau­tet daher:

Sofern bestimm­te Details für die Geschich­te rele­vant sind, kannst Du sie ruhig aus­führ­li­cher prä­sen­tie­ren. Sofern sie nur deko­ra­ti­ver Schnick­schnack sind, beschrän­ke sie lie­ber auf ein Minimum.

Plotter und Pantser

Was nun die Metho­de des Welt­erschaf­fens angeht, so ist jeder Autor anders. Aber sehr grob kann man sagen:

  • Soge­nann­te Plot­ter arbei­ten ihre Wel­ten eben­so wie ihre Plots sys­te­ma­tisch her­aus und pla­nen, zeich­nen und notie­ren Infor­ma­tio­nen zu ihren Wel­ten, noch bevor sie mit dem Schrei­ben anfangen.
  • Soge­nann­te Pantser hin­ge­gen ent­de­cken ihre Wel­ten erst wäh­rend des Schrei­bens und müs­sen auf­pas­sen, dass sie die­se spon­tan ent­deck­ten Aspek­te ihrer Wel­ten ein paar Kapi­tel spä­ter nicht wie­der vergessen.

Aber das sind nur Extre­me und die meis­ten Autoren sind irgend­wo dazwi­schen. Eine Gemein­sam­keit haben sie aber trotz­dem: Frü­her oder spä­ter, wenn das World-Buil­ding umfang­rei­cher und kom­ple­xer wird, sind fast alle mehr oder weni­ger dar­auf ange­wie­sen, ihre Ideen irgend­wie auf­zu­schrei­ben und über­sicht­lich zu hal­ten – ob vor dem Ver­fas­sen des Erst­ent­wurfs oder wäh­rend.

Und obwohl auf­grund der Indi­vi­dua­li­tät eines jeden Autors natür­lich kei­ne Metho­de exis­tiert, die für alle funk­tio­niert, gibt es doch wenigs­tens Werk­zeug, das sich jeder Autor so orga­ni­sie­ren kann, wie es für ihn am bes­ten passt. Wäh­rend der eine mit einem orga­ni­sier­ten Cha­os von kun­ter­bun­ten Kle­be­zet­teln zurecht­kommt, braucht der ande­re ela­bo­rier­te Soft­ware. Pro­bie­re also ein­fach aus, was für Dich am bes­ten funk­tio­niert. Im Fol­gen­den bekommst Du ein paar Anre­gun­gen dazu …

Werkzeug

Nor­ma­ler­wei­se ent­steht World-Buil­ding ja aus einer Idee – ent­we­der einem Kon­zept in ganz all­ge­mei­nen Grund­zü­gen oder einem klei­nen Detail. Wie genau, vari­iert, wie gesagt, je nach Autor. Zwar habe ich bereits im besag­ten frü­he­ren Arti­kel erwähnt, dass ich per­sön­lich – eben auf­grund der Indi­vi­dua­li­tät eines jeden Autors und Werks – gegen­über Model­len, Fra­ge­bö­gen und ande­rem Werk­zeug eher skep­tisch ein­ge­stellt bin. Aber den­noch lohnt es sich, die ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten ken­nen­zu­ler­nen, um über­haupt fest­stel­len zu kön­nen, ob sie für einen selbst infra­ge kom­men. Dabei haben die ver­schie­de­nen klei­nen Hel­fer und Pro­gram­me alle ihre Stär­ken und Schwä­chen und eig­nen sich für bestimm­te Zwe­cke bes­ser als für ande­re. Außer­dem wirst Du jedes Werk­zeug, das Du aus­wählst, an Dei­ne indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se anpas­sen müs­sen.

Des­we­gen kann ich nur sagen:

Lass die ver­schie­de­nen Anre­gun­gen auf Dich wir­ken und stel­le dann ein auf Dich und Dein Pro­jekt zuge­schnit­te­nes Sys­tem zusammen.

„Kleines“ World-Building

Wenn Dei­ne Geschich­te in der rea­len Welt oder in einer eher klei­nen fik­ti­ven Welt ange­sie­delt ist – wenn es also nur dar­um geht, eini­ge weni­ge figu­ren- und set­ting­spe­zi­fi­sche Infor­ma­tio­nen fest­zu­hal­ten -, soll­test Du nor­ma­ler­wei­se mit ent­spre­chend beschei­de­nen Mit­teln wun­der­bar aus­kom­men. Ob Du lie­ber mit Fließ­text oder kur­zen Stich­punk­ten arbei­test: Notiz­blö­cke, Steck­brie­fe und Mind­maps, sowohl phy­sisch als auch digi­tal, sind leicht zu orga­ni­sie­ren und einzurichten.

  • Zum Bei­spiel kannst Du in einem phy­si­schen Notiz­heft jeder Figur und jedem Hand­lungs­ort je eine Sei­te wid­men. Du kannst Dir auch eine Pinn­wand besor­gen und dort Infor­ma­tio­nen und Noti­zen sam­meln und sor­tie­ren. Viel­leicht wären auch Kar­tei­kar­ten etwas für Dich. Ein guter Insi­der-Tipp ist bei all die­sen Ideen, dass Du Dir, wenn es zu vie­le Noti­zen wer­den, ein Inhalts­ver­zeich­nis anlegst, damit Du nicht aus dem Schreib­fluss kommst, wenn Du mal ein Detail nach­schla­gen musst.
  • Das Gan­ze kannst Du natür­lich aber auch digi­tal machen. Der Vor­teil ist hier, dass Dir so kei­ne phy­si­schen Gren­zen gesetzt sind und Du beim Nach­schla­gen – je nach Pro­gramm – auch auf eine Such­funk­ti­on und/​oder ein auto­ma­ti­sches Inhalts­ver­zeich­nis zurück­grei­fen kannst. Am ein­fachs­ten sind da natür­lich simp­le Text­pro­gram­me wie Word, Word­Pad, Open­Of­fice etc. Und damit es nicht zu unüber­sicht­lich wird, kannst Du für Dein World-Buil­ding auch meh­re­re Datei­en und Ord­ner anle­gen, zum Bei­spiel nach Figu­ren, Orten, Ereig­nis­sen oder was auch immer sor­tiert. Um ein Datei- und Ord­ner-Cha­os zu ver­mei­den, gibt es aber auch digi­ta­le Notiz­bü­cher: Hier kannst Du die ver­schie­de­nen Noti­zen direkt an einem ein­zi­gen Ort lagern und sor­tie­ren. Und auch für Mind­maps und Pinn­wän­de gibt es spe­zia­li­sier­te Soft­ware. Grund­sätz­lich eig­nen sich aber auch so geläu­fi­ge Prä­sen­ta­ti­ons­pro­gram­me wie Power­Point: Ich per­sön­lich miss­brau­che Power­Point ger­ne als digi­ta­le Kar­tei­kar­ten, bei denen ich nicht nur mit Text, son­dern auch mit Gra­fi­ken arbei­ten kann: Zum Bei­spiel habe ich dort ein paar Stamm­bäu­me für mein World-Buil­ding erstellt. Weil mein World-Buil­ding aber etwas umfang­rei­cher ist, bie­tet Power­Point mir mitt­ler­wei­le zu wenig Raum und ich wer­de dem­nächst wohl oder übel umzie­hen müssen.
  • Wenn es um Visu­el­les geht, zum Bei­spiel das Aus­se­hen der Figu­ren, Gebäu­de, Land­schaf­ten, Gegen­stän­de etc., kannst Du natür­lich eben­falls Samm­lun­gen anle­gen bzw. das visu­el­le Mate­ri­al in Dei­ne Noti­zen inte­grie­ren – ob in aus­ge­druck­ter Form oder in Dei­ne digi­ta­len Notiz­bü­cher kopiert. Je nach­dem, wo Dei­ne Talen­te lie­gen, kann es sich dabei um dei­ne eige­nen Zeich­nun­gen und/​oder Fotos han­deln, oder aber Du benutzt irgend­ei­ne Soft­ware, mit der Du Figu­ren erstel­len kannst – da ist das Spek­trum sehr breit von Gene­ra­to­ren für Ani­me- bzw. Man­ga-Figu­ren bis hin zu 3D-Model­len. Recher­chie­re ruhig, ob Du in den Untie­fen des Inter­nets etwas für Dich fin­dest. (Ein paar Anre­gun­gen fin­dest Du am Ende Arti­kels.) Not­falls kannst Du natür­lich aber auch ande­re Pro­gram­me zweck­ent­frem­den und Dei­ne Figu­ren und Orte zum Bei­spiel im Video­spiel Die Sims gestal­ten. Meis­tens geht der Gebrauch von zumin­dest ein­fa­che­rer Soft­ware aber mit sehr ein­ge­schränk­ten Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten ein­her – wenn für Dei­ne kon­kre­te Idee nichts pro­gram­miert wur­de, dann wur­de da nichts pro­gram­miert -, wes­we­gen ich per­sön­lich eher eine Ver­fech­te­rin des Zeich­nens bin, wobei bei feh­len­den Fer­tig­kei­ten natür­lich auch Strich­männ­chen und Abpau­sen infra­ge kom­men. Eine wei­te­re, sehr emp­feh­lens­wer­te Metho­de ist, das Netz nach Bil­dern von ande­ren fik­ti­ven Figu­ren, Schau­spie­lern, Land­schaf­ten, Orten, Gebäu­den, Gegen­stän­den etc. zu durch­su­chen, die Dei­ner Visi­on am nächs­ten kom­men, und eben die­ses Mate­ri­al in Dei­ne Noti­zen ein­zu­bin­den. Bei Bedarf kannst Du die­se Bil­der natür­lich auch mani­pu­lie­ren, bei­spiels­wei­se Far­ben ändern oder ein Detail hin­zu­zeich­nen. Nor­ma­ler­wei­se sind Bil­der aus dem Inter­net zwar kopier­ge­schützt, aber solan­ge es sich nur um Dei­ne per­sön­li­chen Noti­zen han­delt, ist das kein Pro­blem. Und wenn es in der Geschich­te selbst irgend­wann ans Beschrei­ben die­ser Figu­ren und Din­ge geht, dann ver­wei­se ich auf mei­nen bereits exis­tie­ren­den Arti­kel zu die­sem Thema.

„Großes“ World-Building

Nun sind die Mög­lich­kei­ten von klas­si­schen Notiz­bü­chern und Mind­maps schnell gesprengt, wenn man eine gan­ze Fan­ta­sie­welt erschafft. Vor allem gibt es hier sehr vie­le Details zu beden­ken und auf­ein­an­der abzu­stim­men. Die Gefahr, sich zu ver­zet­teln, ist hier also beson­ders groß. Natür­lich musst Du als Autor nicht jedes kleins­te Detail her­aus­ar­bei­ten: Wie gesagt, fokus­sie­re Dich am bes­ten auf die Din­ge, die für Dei­ne Geschich­te wirk­lich rele­vant sind. Aber den­noch soll­test Du dar­auf ach­ten, dass sich bei Dei­nem World-Buil­ding kei­ne gra­vie­ren­den Logik­lü­cken oder gar Wider­sprü­che ergeben.

  • Für eine sol­che ganz­heit­li­che Her­aus­ar­bei­tung einer fik­ti­ven Welt eig­nen sich Fra­gen­ka­ta­lo­ge, zum Bei­spiel der von Wel​ten​bau​-Wis​sen​.de: Hier bekommst Du 84 Fra­gen zu den ver­schie­dens­ten Aspek­ten Dei­ner Welt gestellt. Die­se Fra­gen sind bereits nach Fach­be­rei­chen sor­tiert und indem Du sie beant­wor­test, schreibst Du im Grun­de ganz sys­te­ma­tisch auf, wie Dei­ne Welt funk­tio­niert. Außer­dem regen die Fra­gen an, Dich auch mit Aspek­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen, an die Du viel­leicht noch nicht gedacht hast. Und wenn Du meinst, dass irgend­wel­che Fach­be­rei­che, die für kon­kret Dei­ne Welt spe­zi­fisch sind, feh­len, dann kannst Du die Infor­ma­tio­nen natür­lich von Dir aus ergänzen.
  • Wenn Fra­gen­ka­ta­lo­ge nichts für Dich sind, dann kannst Du Dein World-Buil­ding auch in Hier­ar­chie­ebe­nen ein­tei­len und dich zum Bei­spiel sys­te­ma­tisch vom Gro­ßen zum Klei­nen durch­ar­bei­ten. Das heißt, dass Du zuerst viel­leicht Infor­ma­tio­nen zum Uni­ver­sum selbst, zur Gala­xis oder so, sam­melst und auf­schreibst. Dann gehst Du zu den ein­zel­nen Kon­ti­nen­ten, dann zu den ein­zel­nen Län­dern, Wäl­dern und Fel­dern und Gewäs­sern. Dann beschreibst Du, was dort wächst und lebt. Dar­aus geht mehr oder weni­ger her­vor, wie die Kul­tu­ren, Spra­chen und Men­ta­li­tä­ten gestrickt sind, und so wei­ter und so fort.
  • Grund­sätz­lich kannst Du aber natür­lich auch Bücher zum The­ma World-Buil­ding, zum Bei­spiel Wel­ten­bau­en von H. K. Ysards­son, durch­ge­hen oder Dir auch ein­fach nur das Inhalts­ver­zeich­nis schnap­pen und die ein­zel­nen The­men­ge­bie­te nach und nach abklap­pern. Auch hier ger­ne mit indi­vi­du­el­len Ergänzungen.

Beden­ke bei all die­sen Fra­gen­ka­ta­lo­gen und Sys­te­men aber, dass es nor­ma­ler­wei­se nur um das Erschaf­fen der Welt an sich geht, nicht unbe­dingt um die Kopp­lung die­ser Welt an die Geschich­te und deren Prä­mis­se. Was Du bei sol­chen Tools also von Dir aus ergän­zen kannst, wären Fra­gen nach der Sym­bo­lik oder ander­wei­ti­gen Bedeu­tung der ver­schie­de­nen Fach­be­rei­che bzw. der Rele­vanz für das Gesamt­kon­zept.

Das Posi­ti­ve an die­sem Werk­zeug ist aller­dings, wie bereits ange­deu­tet, dass Du die Ord­nung Dei­ner Noti­zen danach aus­rich­ten kannst. Dass Du also zum Bei­spiel für jeden Fach­be­reich Dei­nes World-Buil­dings einen geson­der­ten Ord­ner erstellst und so ein Sys­tem in Dei­ne Notiz‑, Datei- und Ord­ner­wirt­schaft bringst. Mit dem ein­fa­che­ren Werk­zeug kommst Du dabei aber, wie gesagt, schnell an Dei­ne Grenzen.

Des­we­gen kann es sich loh­nen, eine eige­ne Enzy­klo­pä­die anzu­le­gen. Wenn sie digi­tal ist, kannst Du hier beim Nach­schla­gen auch alle Vor­tei­le einer geschei­ten Such­funk­ti­on genie­ßen. So habe ich zum Bei­spiel für mein eige­nes Pro­jekt ursprüng­lich eine Media­Wi­ki, die Soft­ware von Wiki­pe­dia, auf mei­ner Fest­plat­te instal­liert. Als ich auf mei­nen neu­en Com­pu­ter umge­zo­gen bin, habe ich die Arti­kel und Über­sich­ten aus die­ser Wiki­pe­dia aller­dings in Goog­le Docs über­tra­gen. Jetzt sind mei­ne Infor­ma­tio­nen zwar ganz prak­tisch in einer Cloud gespei­chert, aber ich muss da sehr viel scrol­len bzw. die Such­funk­ti­on benut­zen, um mich in der Datei zurechtzufinden.

Eine bes­se­re Alter­na­ti­ve kön­nen spe­zia­li­sier­te World-Buil­ding-Pro­gram­me sein. Zwar haben auch eini­ge Schreib­pro­gram­me wie zum Bei­spiel Papy­rus Autor und Scri­ve­ner inte­grier­te World-Buil­ding-Tools, aber mit spe­zia­li­sier­ter Soft­ware kön­nen sie in der Regel nicht mit­hal­ten. Die­se ist manch­mal so umfang­reich, dass sie sogar Werk­zeug zum Her­aus­ar­bei­ten von Spra­chen ent­hält. Mein Prak­ti­kant Tizi­an hat dazu eine schö­ne Über­sicht zusam­men­ge­tra­gen. Tizi­an selbst emp­fiehlt dabei übri­gens Camp­fi­re.

Außer­dem ent­hält Tizi­ans Soft­ware­über­sicht auch eine Tabel­le spe­zi­ell zu Pro­gram­men, mit denen Du Kar­ten zeich­nen kannst. Denn Kar­ten sind beim Erschaf­fen gan­zer Wel­ten nahe­zu unver­zicht­bar. Alter­na­tiv kannst Du Kar­ten natür­lich auch selbst zeich­nen oder ande­re Soft­ware zweck­ent­frem­den: Zum Bei­spiel habe ich für eine frü­he­re Geschich­te mal den Kar­ten­edi­tor vom Video­spiel Age of Empires II miss­braucht, um eine Stadt aufzubauen.

World-Building: Notizen in der Praxis

Grund­sätz­lich muss man aber sagen, dass Werk­zeug immer nur so gut sein kann wie sein Anwen­der. So kannst Du zum Bei­spiel den ela­bo­rier­tes­ten Fra­gen­ka­ta­log aus­fül­len – aber wenn Dei­ne Ant­wor­ten nicht zuein­an­der und/​oder zur Prä­mis­se pas­sen, dann ist die­ses World-Buil­ding nicht ausgereift.

Außer­dem ist es egal, wel­ches Werk­zeug Du für Dei­ne Noti­zen benutzt, wenn Du es nicht sinn­voll, auf Dein indi­vi­du­el­les Pro­jekt zuge­schnit­ten, orga­ni­sierst. Mei­ne Geschich­te zum Bei­spiel spielt fast aus­schließ­lich in einer ein­zi­gen Stadt. Daher macht es für mich wenig Sinn, gan­ze Ord­ner für ande­re Kon­ti­nen­te anzu­le­gen. Ich kann das natür­lich machen, aber die­se Infor­ma­tio­nen wer­den so oder so nicht im Manu­skript lan­den. Ande­rer­seits aber spielt eine mili­tä­ri­sche Eli­te­trup­pe, die Schwa­nen­gar­de, bei mir eine zen­tra­le Rol­le. Das heißt, dass ich Infor­ma­tio­nen wie die Auf­stel­lung ein­zel­ner Ver­bän­de und Über­sich­ten der ver­schie­de­nen Dienst­grad­ab­zei­chen peni­bel doku­men­tie­ren muss. Denn zwar sind Details wie die soge­nann­te Dop­pel­fe­der, die einen Kor­po­ral kenn­zeich­net, ledig­lich nur Deko­ra­ti­on, aber wenn ein Kor­po­ral in den ers­ten Kapi­teln eine Dop­pel­fe­der als Abzei­chen hat, dann muss er 30 Kapi­tel spä­ter immer noch die Dop­pel­fe­der als Abzei­chen haben – außer er wur­de beför­dert. Die­se klei­nen Details müs­sen also kon­se­quent sein und im Zusam­men­spiel mit­ein­an­der Sinn erge­ben, ohne dass sie irgend­wo in der Geschich­te selbst aus­führ­lich erläu­tert wer­den: Zum Bei­spiel hat ein ein­fa­cher Schwa­nen­rei­ter bei mir nur eine ein­fa­che Feder als Abzei­chen, aber ein Leut­nant, ein Offi­zier, hat schon einen gan­zen Flü­gel. Unter ande­rem des­we­gen habe ich, glau­be ich, nichts so detail­liert durch­kon­zi­piert wie die Hee­res­auf­stel­lung des fik­ti­ven Lan­des, in dem mei­ne Geschich­te spielt. Ich habe nur eine abs­trak­te Vor­stel­lung davon, wie der Nach­bar­kon­ti­nent aus­sieht, aber ich ken­ne die exak­te Per­so­nal­stär­ke der Schwa­nen­gar­de und des Hee­res allgemein.

Auch wird es von Autor zu Autor vari­ie­ren, wel­che Infor­ma­tio­nen über die fik­ti­ve Welt über­haupt notiert wer­den müs­sen. Denn wenn Du stän­dig an Dei­ner Welt her­um­bas­telst, fühlst Du Dich dar­in irgend­wann wie zu Hau­se. Und genau­so wie Du Dich pro­blem­los in Dei­nem Wohn­ort zurecht­fin­dest, hast Du wahr­schein­lich ziem­lich vie­le Details über Dei­ne Welt in Dei­nem Kopf, ohne dass Du sie Dir irgend­wie notie­ren musst. Pass dabei aller­dings auf, dass Du es nicht ver­säumst, die Details, die eben doch notiert gehö­ren, auch tat­säch­lich zu notie­ren. Bei mir per­sön­lich sind es zum Bei­spiel eben die­se Hee­res­struk­tu­ren und Abzei­chen – also Din­ge, die ich nor­ma­ler­wei­se stumpf aus­wen­dig ler­nen müss­te. Die Geschich­te, wie die Schwa­nen­gar­de sich aus einem aus­ge­stor­be­nen Fürs­ten­ge­schlecht her­aus­ge­bil­det hat, habe ich dage­gen im Kopf.

Nichts­des­to­trotz ist das rei­ne World-Buil­ding aber auch ein krea­ti­ver Pro­zess, der Dei­ne Geschich­te auf uner­war­te­te Wei­se berei­chern kann. Wenn Du zum Bei­spiel kon­kret an einer Kar­te oder an einem Stadt­plan arbei­test, dann musst Du die Gegen­den und Vier­tel, die in Dei­ner Geschich­te kei­ne Rol­le spie­len, trotz­dem irgend­wie fül­len. Dann wirst Du also krea­tiv, füllst die Lücken und machst Dei­ne Welt umso leben­di­ger. Zum Bei­spiel habe ich erst beim Her­um­bas­teln in der Kar­ten­soft­ware Won­der­draft her­aus­ge­fun­den, dass es bei mir auf der soge­nann­ten Toten­in­sel einen Vul­kan gibt. Lore­tech­nisch ergibt er dort sogar sehr viel Sinn. Nun ist die Toten­in­sel aber sehr weit vom Gesche­hen in mei­nem Manu­skript ent­fernt, aber wenn ich sie trotz­dem irgend­wie anspre­chen soll­te, kann ich spon­tan gleich so eini­ge Details aus dem Ärmel schütteln.

Und nicht zuletzt kann ich Dir nur emp­feh­len, umfang­rei­che­res World-Buil­ding bewusst an eine Plot­über­sicht zu kop­peln: also sorg­fäl­tig zu doku­men­tie­ren, wel­che Infor­ma­ti­on Du dem Leser wann zu geben gedenkst bzw. gege­ben hast. Dazu kannst Du einen Zeit­strahl, eine Tabel­le oder auch ein­fa­che Stich­punk­te anle­gen, dort aber nicht nur die ein­zel­nen Ereig­nis­se notie­ren, son­dern auch die wesent­li­chen Infor­ma­tio­nen zum World-Buil­ding, die Du dem Leser an der jewei­li­gen Stel­le ver­ab­reichst. Denn sonst läufst Du Gefahr, bestimm­te Din­ge mehr­mals zu erklä­ren oder bestimm­te Erklä­run­gen zu ver­säu­men. Für Dei­ne Leser wäre bei­des natür­lich ärgerlich.

Schlusswort

So viel also heu­te zu mei­nen Gedan­ken zum Ord­nen von World-Buil­ding-Infor­ma­tio­nen. Es tut mir leid, dass ich Dir kei­ne auf Dich indi­vi­du­ell zuge­schnit­te­ne Lösung prä­sen­tie­ren kann, aber ich hof­fe, Dir trotz­dem ein paar hilf­rei­che Tipps gege­ben zu haben.

Und weil ich per­sön­lich Kar­ten­soft­ware toll fin­de, habe ich beschlos­sen, dass mal wie­der Zeit für einen öffent­li­chen Live­stream ist. Und zwar haben wir in den exklu­si­ven Ste­ady-Live­streams bereits ein Geschich­ten­kon­zept her­aus­ge­ar­bei­tet und dazu auch ein Kon­zept für das ent­spre­chen­de World-Buil­ding. Am 30. Okto­ber um 16:00 Uhr wol­len wir nun in einer gro­ßen Run­de auf der Grund­la­ge die­ses Kon­zepts zusam­men eine Kar­te mit Won­der­draft zeich­nen. Sei dabei!

Generatoren für Figuren

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