World-Buil­ding: Infor­ma­tionen ordnen

World-Buil­ding: Infor­ma­tionen ordnen

Als Autoren spielen wir Gott und erschaffen eigene Welten. Doch beim World-Buil­ding wird es schnell unüber­sicht­lich – zumin­dest, wenn Du Deine Infor­ma­tionen nicht gründ­lich und geschickt ord­nest. Um zu ver­meiden, dass Du Dich in Deiner eigenen Welt irgend­wann nicht mehr zurecht­fin­dest, stelle ich Dir in diesem Artikel einige Mög­lich­keiten vor, die Infor­ma­tionen über Deine Welt über­sicht­lich zu halten.

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Ob Du Deine Geschichte in der realen Welt ansie­delst und nur um eine fik­tive Straße ergänzt oder eine kom­plett neue Welt erschaffst, die ihren eigenen Regeln folgt – World-Buil­ding macht Spaß.

Doch je mehr Details Du her­aus­ar­bei­test, desto ver­wir­render wird es.

Des­wegen musst Du diese Details irgendwie orga­ni­sieren. – Aber wie? In diesem Artikel bekommst Du ein paar Tipps.

Grund­le­gendes

In einem frü­heren Artikel haben wir bereits einige all­ge­meine Grund­lagen ange­spro­chen. So zum Bei­spiel, dass es in jedem Genre World-Buil­ding gibt. Wenn im Film Girls Club – Vor­sicht bissig!, der an einer ame­ri­ka­ni­schen High School spielt, bei­spiels­weise die ver­schie­denen Schü­ler­gruppen vor­ge­stellt werden, dann ist das schon World-Buil­ding.

Von zen­traler Bedeu­tung ist dabei die Prä­misse: Denn hier wird in einem Satz for­mu­liert, worum es in der Geschichte geht. Wenn die Geschichte also in sich stimmig sein soll, dann müssen sämt­liche Bestand­teile und damit auch das World-Buil­ding sich nach der Prä­misse richten. Denn jede Geschichte erfor­dert eben ihre eigene Welt, ihr eigenes Set­ting, das zum Gesamt­kon­zept und zur Gesamt­aus­sage des Werks passt.

Im Zusam­men­hang mit der Prä­misse steht auch die Frage nach der Rele­vanz. Denn Du kannst für Deine Geschichte ja alles Mög­liche erfinden – aber worauf es letzt­end­lich ankommt, sind zumin­dest die Hand­lungs­orte, die Gesell­schafts- und Fami­li­en­struk­turen etc.: also die Teile der Welt, mit denen die Figuren in direkten Kon­takt kommen, die die Figuren ver­än­dern oder von den Figuren ver­än­dert werden. Sinn­voll kann es außerdem sein, auch die Orte und Struk­turen her­aus­zu­ar­beiten, wo die Figuren her­kommen bzw. wo die Figuren ihre Prä­gung erfahren haben.

An diesem Punkt wird im Übrigen auch sichtbar, wie eng ver­woben die Arcs der Figuren und vor allem des Prot­ago­nisten mit dem World-Buil­ding sein sollten. Denn wenn die Geschichte ein in sich stim­miges Gesamt­kon­strukt ergeben muss, dann reicht es nicht, wenn die Figuren ein­fach in irgend­einer Welt leben, son­dern die Welt muss genau so sein, wie die Geschichte es erfor­dert. Aber weil wir Autoren bei der Erschaf­fung unserer Welten ja gott­gleiche Frei­heit haben, steht uns nichts im Wege, die fik­tive Welt auch tat­säch­lich an den Bedürf­nissen der jewei­ligen Geschichte aus­zu­richten.

Dabei kannst Du natür­lich noch sehr viel mehr Details her­aus­ar­beiten, als Du brauchst. Doch nicht alles davon gehört in die Geschichte selbst, denn zu viele Details können ver­wirren und ablenken. Gib dem Leser also nur so viele Infor­ma­tionen wie nötig.

Aller­dings stimmt es auch, dass Details eine Welt über­haupt erst lebendig wirken lassen: Denn sie nähren das Kopf­kino. Wenn es sich in einer kon­kreten Szene also anbietet, gib dem Leser ruhig ein paar schmü­ckende Ein­zel­heiten. Halte ihm aber keine Vor­träge. Denn soge­nanntes Info-Dum­ping lang­weilt und über­for­dert. Die hei­lige Grund­regel lautet daher:

Sofern bestimmte Details für die Geschichte rele­vant sind, kannst Du sie ruhig aus­führ­li­cher prä­sen­tieren. Sofern sie nur deko­ra­tiver Schnick­schnack sind, beschränke sie lieber auf ein Minimum.

Plotter und Pantser

Was nun die Methode des Welt­erschaf­fens angeht, so ist jeder Autor anders. Aber sehr grob kann man sagen:

  • Soge­nannte Plotter arbeiten ihre Welten ebenso wie ihre Plots sys­te­ma­tisch heraus und planen, zeichnen und notieren Infor­ma­tionen zu ihren Welten, noch bevor sie mit dem Schreiben anfangen.
  • Soge­nannte Pantser hin­gegen ent­de­cken ihre Welten erst wäh­rend des Schrei­bens und müssen auf­passen, dass sie diese spontan ent­deckten Aspekte ihrer Welten ein paar Kapitel später nicht wieder ver­gessen.

Aber das sind nur Extreme und die meisten Autoren sind irgendwo dazwi­schen. Eine Gemein­sam­keit haben sie aber trotzdem: Früher oder später, wenn das World-Buil­ding umfang­rei­cher und kom­plexer wird, sind fast alle mehr oder weniger darauf ange­wiesen, ihre Ideen irgendwie auf­zu­schreiben und über­sicht­lich zu halten – ob vor dem Ver­fassen des Erst­ent­wurfs oder wäh­rend.

Und obwohl auf­grund der Indi­vi­dua­lität eines jeden Autors natür­lich keine Methode exis­tiert, die für alle funk­tio­niert, gibt es doch wenigs­tens Werk­zeug, das sich jeder Autor so orga­ni­sieren kann, wie es für ihn am besten passt. Wäh­rend der eine mit einem orga­ni­sierten Chaos von kun­ter­bunten Kle­be­zet­teln zurecht­kommt, braucht der andere ela­bo­rierte Soft­ware. Pro­biere also ein­fach aus, was für Dich am besten funk­tio­niert. Im Fol­genden bekommst Du ein paar Anre­gungen dazu …

Werk­zeug

Nor­ma­ler­weise ent­steht World-Buil­ding ja aus einer Idee – ent­weder einem Kon­zept in ganz all­ge­meinen Grund­zügen oder einem kleinen Detail. Wie genau, vari­iert, wie gesagt, je nach Autor. Zwar habe ich bereits im besagten frü­heren Artikel erwähnt, dass ich per­sön­lich – eben auf­grund der Indi­vi­dua­lität eines jeden Autors und Werks – gegen­über Modellen, Fra­ge­bögen und anderem Werk­zeug eher skep­tisch ein­ge­stellt bin. Aber den­noch lohnt es sich, die ver­schie­denen Mög­lich­keiten ken­nen­zu­lernen, um über­haupt fest­stellen zu können, ob sie für einen selbst infrage kommen. Dabei haben die ver­schie­denen kleinen Helfer und Pro­gramme alle ihre Stärken und Schwä­chen und eignen sich für bestimmte Zwecke besser als für andere. Außerdem wirst Du jedes Werk­zeug, das Du aus­wählst, an Deine indi­vi­du­ellen Bedürf­nisse anpassen müssen.

Des­wegen kann ich nur sagen:

Lass die ver­schie­denen Anre­gungen auf Dich wirken und stelle dann ein auf Dich und Dein Pro­jekt zuge­schnit­tenes System zusammen.

„Kleines“ World-Buil­ding

Wenn Deine Geschichte in der realen Welt oder in einer eher kleinen fik­tiven Welt ange­sie­delt ist – wenn es also nur darum geht, einige wenige figuren- und set­ting­spe­zi­fi­sche Infor­ma­tionen fest­zu­halten -, soll­test Du nor­ma­ler­weise mit ent­spre­chend beschei­denen Mit­teln wun­derbar aus­kommen. Ob Du lieber mit Fließ­text oder kurzen Stich­punkten arbei­test: Notiz­blöcke, Steck­briefe und Mind­maps, sowohl phy­sisch als auch digital, sind leicht zu orga­ni­sieren und ein­zu­richten.

  • Zum Bei­spiel kannst Du in einem phy­si­schen Notiz­heft jeder Figur und jedem Hand­lungsort je eine Seite widmen. Du kannst Dir auch eine Pinn­wand besorgen und dort Infor­ma­tionen und Notizen sam­meln und sor­tieren. Viel­leicht wären auch Kar­tei­karten etwas für Dich. Ein guter Insider-Tipp ist bei all diesen Ideen, dass Du Dir, wenn es zu viele Notizen werden, ein Inhalts­ver­zeichnis anlegst, damit Du nicht aus dem Schreib­fluss kommst, wenn Du mal ein Detail nach­schlagen musst.
  • Das Ganze kannst Du natür­lich aber auch digital machen. Der Vor­teil ist hier, dass Dir so keine phy­si­schen Grenzen gesetzt sind und Du beim Nach­schlagen – je nach Pro­gramm – auch auf eine Such­funk­tion und/oder ein auto­ma­ti­sches Inhalts­ver­zeichnis zurück­greifen kannst. Am ein­fachsten sind da natür­lich simple Text­pro­gramme wie Word, WordPad, Open­Of­fice etc. Und damit es nicht zu unüber­sicht­lich wird, kannst Du für Dein World-Buil­ding auch meh­rere Dateien und Ordner anlegen, zum Bei­spiel nach Figuren, Orten, Ereig­nissen oder was auch immer sor­tiert. Um ein Datei- und Ordner-Chaos zu ver­meiden, gibt es aber auch digi­tale Notiz­bü­cher: Hier kannst Du die ver­schie­denen Notizen direkt an einem ein­zigen Ort lagern und sor­tieren. Und auch für Mind­maps und Pinn­wände gibt es spe­zia­li­sierte Soft­ware. Grund­sätz­lich eignen sich aber auch so geläu­fige Prä­sen­ta­ti­ons­pro­gramme wie Power­Point: Ich per­sön­lich miss­brauche Power­Point gerne als digi­tale Kar­tei­karten, bei denen ich nicht nur mit Text, son­dern auch mit Gra­fiken arbeiten kann: Zum Bei­spiel habe ich dort ein paar Stamm­bäume für mein World-Buil­ding erstellt. Weil mein World-Buil­ding aber etwas umfang­rei­cher ist, bietet Power­Point mir mitt­ler­weile zu wenig Raum und ich werde dem­nächst wohl oder übel umziehen müssen.
  • Wenn es um Visu­elles geht, zum Bei­spiel das Aus­sehen der Figuren, Gebäude, Land­schaften, Gegen­stände etc., kannst Du natür­lich eben­falls Samm­lungen anlegen bzw. das visu­elle Mate­rial in Deine Notizen inte­grieren – ob in aus­ge­druckter Form oder in Deine digi­talen Notiz­bü­cher kopiert. Je nachdem, wo Deine Talente liegen, kann es sich dabei um deine eigenen Zeich­nungen und/oder Fotos han­deln, oder aber Du benutzt irgend­eine Soft­ware, mit der Du Figuren erstellen kannst – da ist das Spek­trum sehr breit von Gene­ra­toren für Anime- bzw. Manga-Figuren bis hin zu 3D-Modellen. Recher­chiere ruhig, ob Du in den Untiefen des Inter­nets etwas für Dich fin­dest. (Ein paar Anre­gungen fin­dest Du am Ende Arti­kels.) Not­falls kannst Du natür­lich aber auch andere Pro­gramme zweck­ent­fremden und Deine Figuren und Orte zum Bei­spiel im Video­spiel Die Sims gestalten. Meis­tens geht der Gebrauch von zumin­dest ein­fa­cherer Soft­ware aber mit sehr ein­ge­schränkten Gestal­tungs­mög­lich­keiten einher – wenn für Deine kon­krete Idee nichts pro­gram­miert wurde, dann wurde da nichts pro­gram­miert -, wes­wegen ich per­sön­lich eher eine Ver­fech­terin des Zeich­nens bin, wobei bei feh­lenden Fer­tig­keiten natür­lich auch Strich­männ­chen und Abpausen infrage kommen. Eine wei­tere, sehr emp­feh­lens­werte Methode ist, das Netz nach Bil­dern von anderen fik­tiven Figuren, Schau­spie­lern, Land­schaften, Orten, Gebäuden, Gegen­ständen etc. zu durch­su­chen, die Deiner Vision am nächsten kommen, und eben dieses Mate­rial in Deine Notizen ein­zu­binden. Bei Bedarf kannst Du diese Bilder natür­lich auch mani­pu­lieren, bei­spiels­weise Farben ändern oder ein Detail hin­zu­zeichnen. Nor­ma­ler­weise sind Bilder aus dem Internet zwar kopier­ge­schützt, aber solange es sich nur um Deine per­sön­li­chen Notizen han­delt, ist das kein Pro­blem. Und wenn es in der Geschichte selbst irgend­wann ans Beschreiben dieser Figuren und Dinge geht, dann ver­weise ich auf meinen bereits exis­tie­renden Artikel zu diesem Thema.

„Großes“ World-Buil­ding

Nun sind die Mög­lich­keiten von klas­si­schen Notiz­bü­chern und Mind­maps schnell gesprengt, wenn man eine ganze Fan­ta­sie­welt erschafft. Vor allem gibt es hier sehr viele Details zu bedenken und auf­ein­ander abzu­stimmen. Die Gefahr, sich zu ver­zet­teln, ist hier also beson­ders groß. Natür­lich musst Du als Autor nicht jedes kleinste Detail her­aus­ar­beiten: Wie gesagt, fokus­siere Dich am besten auf die Dinge, die für Deine Geschichte wirk­lich rele­vant sind. Aber den­noch soll­test Du darauf achten, dass sich bei Deinem World-Buil­ding keine gra­vie­renden Logik­lü­cken oder gar Wider­sprüche ergeben.

  • Für eine solche ganz­heit­liche Her­aus­ar­bei­tung einer fik­tiven Welt eignen sich Fra­gen­ka­ta­loge, zum Bei­spiel der von Weltenbau-Wissen.de: Hier bekommst Du 84 Fragen zu den ver­schie­densten Aspekten Deiner Welt gestellt. Diese Fragen sind bereits nach Fach­be­rei­chen sor­tiert und indem Du sie beant­wor­test, schreibst Du im Grunde ganz sys­te­ma­tisch auf, wie Deine Welt funk­tio­niert. Außerdem regen die Fragen an, Dich auch mit Aspekten aus­ein­an­der­zu­setzen, an die Du viel­leicht noch nicht gedacht hast. Und wenn Du meinst, dass irgend­welche Fach­be­reiche, die für kon­kret Deine Welt spe­zi­fisch sind, fehlen, dann kannst Du die Infor­ma­tionen natür­lich von Dir aus ergänzen.
  • Wenn Fra­gen­ka­ta­loge nichts für Dich sind, dann kannst Du Dein World-Buil­ding auch in Hier­ar­chie­ebenen ein­teilen und dich zum Bei­spiel sys­te­ma­tisch vom Großen zum Kleinen durch­ar­beiten. Das heißt, dass Du zuerst viel­leicht Infor­ma­tionen zum Uni­versum selbst, zur Galaxis oder so, sam­melst und auf­schreibst. Dann gehst Du zu den ein­zelnen Kon­ti­nenten, dann zu den ein­zelnen Län­dern, Wäl­dern und Fel­dern und Gewäs­sern. Dann beschreibst Du, was dort wächst und lebt. Daraus geht mehr oder weniger hervor, wie die Kul­turen, Spra­chen und Men­ta­li­täten gestrickt sind, und so weiter und so fort.
  • Grund­sätz­lich kannst Du aber natür­lich auch Bücher zum Thema World-Buil­ding, zum Bei­spiel Wel­ten­bauen von H. K. Ysardsson, durch­gehen oder Dir auch ein­fach nur das Inhalts­ver­zeichnis schnappen und die ein­zelnen The­men­ge­biete nach und nach abklap­pern. Auch hier gerne mit indi­vi­du­ellen Ergän­zungen.

Bedenke bei all diesen Fra­gen­ka­ta­logen und Sys­temen aber, dass es nor­ma­ler­weise nur um das Erschaffen der Welt an sich geht, nicht unbe­dingt um die Kopp­lung dieser Welt an die Geschichte und deren Prä­misse. Was Du bei sol­chen Tools also von Dir aus ergänzen kannst, wären Fragen nach der Sym­bolik oder ander­wei­tigen Bedeu­tung der ver­schie­denen Fach­be­reiche bzw. der Rele­vanz für das Gesamt­kon­zept.

Das Posi­tive an diesem Werk­zeug ist aller­dings, wie bereits ange­deutet, dass Du die Ord­nung Deiner Notizen danach aus­richten kannst. Dass Du also zum Bei­spiel für jeden Fach­be­reich Deines World-Buil­dings einen geson­derten Ordner erstellst und so ein System in Deine Notiz‑, Datei- und Ord­ner­wirt­schaft bringst. Mit dem ein­fa­cheren Werk­zeug kommst Du dabei aber, wie gesagt, schnell an Deine Grenzen.

Des­wegen kann es sich lohnen, eine eigene Enzy­klo­pädie anzu­legen. Wenn sie digital ist, kannst Du hier beim Nach­schlagen auch alle Vor­teile einer gescheiten Such­funk­tion genießen. So habe ich zum Bei­spiel für mein eigenes Pro­jekt ursprüng­lich eine Media­Wiki, die Soft­ware von Wiki­pedia, auf meiner Fest­platte instal­liert. Als ich auf meinen neuen Com­puter umge­zogen bin, habe ich die Artikel und Über­sichten aus dieser Wiki­pedia aller­dings in Google Docs über­tragen. Jetzt sind meine Infor­ma­tionen zwar ganz prak­tisch in einer Cloud gespei­chert, aber ich muss da sehr viel scrollen bzw. die Such­funk­tion benutzen, um mich in der Datei zurecht­zu­finden.

Eine bes­sere Alter­na­tive können spe­zia­li­sierte World-Buil­ding-Pro­gramme sein. Zwar haben auch einige Schreib­pro­gramme wie zum Bei­spiel Papyrus Autor und Scri­vener inte­grierte World-Buil­ding-Tools, aber mit spe­zia­li­sierter Soft­ware können sie in der Regel nicht mit­halten. Diese ist manchmal so umfang­reich, dass sie sogar Werk­zeug zum Her­aus­ar­beiten von Spra­chen ent­hält. Mein Prak­ti­kant Tizian hat dazu eine schöne Über­sicht zusam­men­ge­tragen. Tizian selbst emp­fiehlt dabei übri­gens Camp­fire.

Außerdem ent­hält Tizians Soft­ware­über­sicht auch eine Tabelle spe­ziell zu Pro­grammen, mit denen Du Karten zeichnen kannst. Denn Karten sind beim Erschaffen ganzer Welten nahezu unver­zichtbar. Alter­nativ kannst Du Karten natür­lich auch selbst zeichnen oder andere Soft­ware zweck­ent­fremden: Zum Bei­spiel habe ich für eine frü­here Geschichte mal den Kar­ten­editor vom Video­spiel Age of Empires II miss­braucht, um eine Stadt auf­zu­bauen.

World-Buil­ding: Notizen in der Praxis

Grund­sätz­lich muss man aber sagen, dass Werk­zeug immer nur so gut sein kann wie sein Anwender. So kannst Du zum Bei­spiel den ela­bo­rier­testen Fra­gen­ka­talog aus­füllen – aber wenn Deine Ant­worten nicht zuein­ander und/oder zur Prä­misse passen, dann ist dieses World-Buil­ding nicht aus­ge­reift.

Außerdem ist es egal, wel­ches Werk­zeug Du für Deine Notizen benutzt, wenn Du es nicht sinn­voll, auf Dein indi­vi­du­elles Pro­jekt zuge­schnitten, orga­ni­sierst. Meine Geschichte zum Bei­spiel spielt fast aus­schließ­lich in einer ein­zigen Stadt. Daher macht es für mich wenig Sinn, ganze Ordner für andere Kon­ti­nente anzu­legen. Ich kann das natür­lich machen, aber diese Infor­ma­tionen werden so oder so nicht im Manu­skript landen. Ande­rer­seits aber spielt eine mili­tä­ri­sche Eli­te­truppe, die Schwa­nen­garde, bei mir eine zen­trale Rolle. Das heißt, dass ich Infor­ma­tionen wie die Auf­stel­lung ein­zelner Ver­bände und Über­sichten der ver­schie­denen Dienst­grad­ab­zei­chen penibel doku­men­tieren muss. Denn zwar sind Details wie die soge­nannte Dop­pel­feder, die einen Kor­poral kenn­zeichnet, ledig­lich nur Deko­ra­tion, aber wenn ein Kor­poral in den ersten Kapi­teln eine Dop­pel­feder als Abzei­chen hat, dann muss er 30 Kapitel später immer noch die Dop­pel­feder als Abzei­chen haben – außer er wurde beför­dert. Diese kleinen Details müssen also kon­se­quent sein und im Zusam­men­spiel mit­ein­ander Sinn ergeben, ohne dass sie irgendwo in der Geschichte selbst aus­führ­lich erläu­tert werden: Zum Bei­spiel hat ein ein­fa­cher Schwa­nen­reiter bei mir nur eine ein­fache Feder als Abzei­chen, aber ein Leut­nant, ein Offi­zier, hat schon einen ganzen Flügel. Unter anderem des­wegen habe ich, glaube ich, nichts so detail­liert durch­kon­zi­piert wie die Hee­res­auf­stel­lung des fik­tiven Landes, in dem meine Geschichte spielt. Ich habe nur eine abs­trakte Vor­stel­lung davon, wie der Nach­bar­kon­ti­nent aus­sieht, aber ich kenne die exakte Per­so­nal­stärke der Schwa­nen­garde und des Heeres all­ge­mein.

Auch wird es von Autor zu Autor vari­ieren, welche Infor­ma­tionen über die fik­tive Welt über­haupt notiert werden müssen. Denn wenn Du ständig an Deiner Welt her­um­bas­telst, fühlst Du Dich darin irgend­wann wie zu Hause. Und genauso wie Du Dich pro­blemlos in Deinem Wohnort zurecht­fin­dest, hast Du wahr­schein­lich ziem­lich viele Details über Deine Welt in Deinem Kopf, ohne dass Du sie Dir irgendwie notieren musst. Pass dabei aller­dings auf, dass Du es nicht ver­säumst, die Details, die eben doch notiert gehören, auch tat­säch­lich zu notieren. Bei mir per­sön­lich sind es zum Bei­spiel eben diese Hee­res­struk­turen und Abzei­chen – also Dinge, die ich nor­ma­ler­weise stumpf aus­wendig lernen müsste. Die Geschichte, wie die Schwa­nen­garde sich aus einem aus­ge­stor­benen Fürs­ten­ge­schlecht her­aus­ge­bildet hat, habe ich dagegen im Kopf.

Nichts­des­to­trotz ist das reine World-Buil­ding aber auch ein krea­tiver Pro­zess, der Deine Geschichte auf uner­war­tete Weise berei­chern kann. Wenn Du zum Bei­spiel kon­kret an einer Karte oder an einem Stadt­plan arbei­test, dann musst Du die Gegenden und Viertel, die in Deiner Geschichte keine Rolle spielen, trotzdem irgendwie füllen. Dann wirst Du also kreativ, füllst die Lücken und machst Deine Welt umso leben­diger. Zum Bei­spiel habe ich erst beim Her­um­bas­teln in der Kar­ten­soft­ware Won­der­draft her­aus­ge­funden, dass es bei mir auf der soge­nannten Toten­insel einen Vulkan gibt. Lore­tech­nisch ergibt er dort sogar sehr viel Sinn. Nun ist die Toten­insel aber sehr weit vom Geschehen in meinem Manu­skript ent­fernt, aber wenn ich sie trotzdem irgendwie anspre­chen sollte, kann ich spontan gleich so einige Details aus dem Ärmel schüt­teln.

Und nicht zuletzt kann ich Dir nur emp­fehlen, umfang­rei­cheres World-Buil­ding bewusst an eine Plot­über­sicht zu kop­peln: also sorg­fältig zu doku­men­tieren, welche Infor­ma­tion Du dem Leser wann zu geben gedenkst bzw. gegeben hast. Dazu kannst Du einen Zeit­strahl, eine Tabelle oder auch ein­fache Stich­punkte anlegen, dort aber nicht nur die ein­zelnen Ereig­nisse notieren, son­dern auch die wesent­li­chen Infor­ma­tionen zum World-Buil­ding, die Du dem Leser an der jewei­ligen Stelle ver­ab­reichst. Denn sonst läufst Du Gefahr, bestimmte Dinge mehr­mals zu erklären oder bestimmte Erklä­rungen zu ver­säumen. Für Deine Leser wäre beides natür­lich ärger­lich.

Schluss­wort

So viel also heute zu meinen Gedanken zum Ordnen von World-Buil­ding-Infor­ma­tionen. Es tut mir leid, dass ich Dir keine auf Dich indi­vi­duell zuge­schnit­tene Lösung prä­sen­tieren kann, aber ich hoffe, Dir trotzdem ein paar hilf­reiche Tipps gegeben zu haben.

Und weil ich per­sön­lich Kar­ten­soft­ware toll finde, habe ich beschlossen, dass mal wieder Zeit für einen öffent­li­chen Live­stream ist. Und zwar haben wir in den exklu­siven Steady-Live­streams bereits ein Geschich­ten­kon­zept her­aus­ge­ar­beitet und dazu auch ein Kon­zept für das ent­spre­chende World-Buil­ding. Am 30. Oktober um 16:00 Uhr wollen wir nun in einer großen Runde auf der Grund­lage dieses Kon­zepts zusammen eine Karte mit Won­der­draft zeichnen. Sei dabei!

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