Die beste Figurenentwicklung der Fernsehgeschichte? So wird zumindest der Werdegang von Prinz Zuko in Avatar – Der Herr der Elemente oft bezeichnet. Was können wir also davon lernen, um selbst komplexe Figuren zu erschaffen? – Analysieren wir Zuko doch mal!

Avatar – nicht das Avatar mit den blauen Indianern! … Avatar – Der Herr der Elemente ist nicht einfach nur eine Zeichentrickserie. Die Story hier ist komplex und mit Tiefgang, liefert gute Unterhaltung und mit Prinz Zuko enthält sie auch etwas, das viele als die beste Figurenentwicklung der Fernsehgeschichte bezeichnen.

Ernsthaft … So toll die Serie insgesamt auch ist: Wenn man darüber spricht, ist irgendwie die Hälfte der Zeit über nur von Zuko die Rede. Der Protagonist ist Aang und er ist durchaus interessant und sympathisch, aber trotzdem heißt es überall: Zuko, Zuko, Zuko …

Er ist gefühlt jedermanns Lieblingsfigur, ein absoluter Fangirl-Schwarm und seit ich selbst mir die Serie vorgeknöpft habe, um zu verstehen, warum sie so gehyped wird: Zuko, Zuko, Zuko!

Offenbar haben die Autoren der Serie mit Zuko vieles sehr richtig gemacht.

Und deswegen wollen wir heute von dieser besten Figurenentwicklung der Fernsehgeschichte lernen.

Avatar: Worum geht es?

Die Welt in Avatar ist in vier Nationen aufgeteilt: das Erdkönigkreich, die Wasserstämme, die Luftnomaden und die Feuernation. In jeder der Nationen kommt ein Teil der Bevölkerung mit der Fähigkeit zur Welt, das Element der eigenen Nation zu „bändigen“, d.h. zu kontrollieren.

Dabei kann nur ein einziger Bändiger auch andere Elemente als das eigene kontrollieren lernen: der Avatar. Dieser wird in den einzelnen Elementen nacheinander wiedergeboren und soll die Welt im Gleichgewicht halten.

Eines Tages ist der Avatar aber spurlos verschwunden und die Feuernation startete einen Eroberungsfeldzug. Hundert Jahre später hat sie einen großen Teil der Welt unterworfen und im Erdkönigreich Kolonien gegründet. – Da entdecken die Wasserbändigerin Katara und ihr Bruder Sokka einen Jungen im Eisberg. Dieser ist Avatar Aang, der hundert Jahre im Eis konserviert war. Nach dem Genozid an den Luftnomaden durch die Feuernation ist der der letzte Luftbändiger. Nun muss er lernen, die anderen Elemente zu beherrschen, um die Welt wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Im Verlauf der drei Staffeln der Serie tut er genau das und erlebt dabei viele Abenteuer.

Und genau hier kommt Zuko ins Spiel …

Zuko: Figur und Präsentation

Prinz Zuko ist der Sohn des Feuerlords Ozai und damit der Kronprinz der Feuernation. Theoretisch. Denn sein Vater kann ihn nicht leiden und hat ihn verbannt – im zarten Alter von nur 13 Jahren. Um „seine Ehre wiederherzustellen“, d.h. von seinem Vater akzeptiert zu werden und nach Hause zurückkehren zu dürfen, muss er den Avatar fangen. Wenn man bedenkt, dass bereits sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater den Avatar nicht hatten finden können, wird schnell klar, dass Ozai Zuko diese Mission nur aufgetragen hat, um ihn langfristig loszuwerden.

Die Gründe, warum Ozai Zuko so wenig leiden kann, werden im Verlauf der Serie erläutert: Zuko ist ihm als Feuerbändiger einfach nicht begabt genug. Er ist gut darin, weil er viel trainiert hat, aber er ist kein Wunderkind. – Das ist nämlich seine kleine Schwester Azula, die von Ozai deswegen klar bevorzugt wird.

Während Ozai Zuko also als Enttäuschung ansieht, will Zuko die Liebe und Anerkennung seines Vaters erlangen und erweist sich als äußerst hartnäckiger Verfolger des Avatar. Im Verlauf der Geschichte wird der Prinz jedoch zu einem Flüchtling, macht viele schwere Erfahrungen und sammelt Zuschauersympathien, ändert seine Ansichten und schließt sich am Ende dem Avatar an, um seinen Vater zu Fall zu bringen.

Schauen wir uns diesen Prozess am besten Staffel für Staffel an:

Staffel 1: Der schwankende Antagonist

Figurenanalyse von Prinz Zuko (Avatar - Der Herr der Elemente)Im Verlauf der ersten Staffel ist Zuko ein klarer Feind des Avatar und seiner Freunde. Er ist der erste Gegner, dem sie begegnen, er verfolgt sie, brennt Dörfer nieder und ist fast ununterbrochen wütend. Dennoch wird bereits hier angedeutet, dass er kein platter Bösewicht ist, sondern eine komplexe Figur.

Zu Beginn der Serie ist Zuko schon fast drei Jahre auf der Suche nach dem Avatar und damit 16 Jahre alt. Er gibt sich sehr stolz und autoritär, sogar gegenüber seinem Onkel Iroh, der sein Mentor und gewissermaßen auch Vaterersatz ist. Über seine Motivation erfahren wir schon in der ersten Folge, dass ihm „Ehre“ sehr wichtig ist.

In Folge 3 kann er sogar bereits erste Sympathiepunkte sammeln, als er seinem späteren Rivalen Zhao begegnet. Aus dieser Begegnung wird deutlich, dass Zuko trotz seiner königlichen Abstammung ein Underdog mit verletztem Stolz ist, denn Zhao hebt Zukos Verbannung klar hervor und beleidigt ihn auch persönlich. Zuko fordert Zhao zu einem Agni Kai, einem Feuerduell, heraus und besiegt ihn. Und obwohl ein Agni Kai eigentlich ein Kampf auf Leben und Tod ist, verschont er seinen Gegner und lässt erstmals seine tief vergrabene weiche Natur durchblitzen. Statt Dankbarkeit wirft Zhao ihm aber weitere Beleidigungen an den Kopf und will ihn sogar von hinten angreifen. Onkel Iroh geht allerdings dazwischen und betont, dass Zuko ehrenhafter ist als Zhao. Diese Bemerkung entlockt Zuko schließlich sein erstes Lächeln innerhalb der Serie.

Die dritte Episode ist auch deshalb wichtig, weil hier erstmals deutlich wird, dass Zukos Loyalität gegenüber der Feuernation – bei all seinem Pochen auf „Ehre“ – eher schwankend ist. Er will bewusst verheimlichen, dass er den Avatar gefunden hat, obwohl dieser die letzte ernsthafte Bedrohung für die Feuernation darstellt. Damit stellt Zuko schon hier seine persönlichen Interessen, nämlich den Avatar selbst einzufangen und seinem Vater zu bringen, über die Interessen der Feuernation, nämlich den Avatar so schnell wie möglich gefangen zu nehmen.

Diese beiden Aspekte seiner Persönlichkeit, sein weicher Kern und seine schwankende Loyalität gegenüber der Feuernation, werden im weiteren Verlauf der ersten Staffel noch weiter ausgebaut:

  • Der weiche Kern wird deutlich in Folge 7, als er sich entscheidet seinen Onkel zu retten, statt den Avatar zu verfolgen.
    In Folge 12 erfahren wir außerdem, dass dieser weiche Kern der Grund für seine Verbannung war: Er hatte sich beim Kriegsrat seines Vaters unaufgefordert gegen den grausamen Plan eines Generals ausgesprochen. Sein Vater wertete es als fehlenden Respekt und forderte Zuko zu einem Agni Kai heraus. Als Zuko sich weigerte gegen seinen Vater zu kämpfen, verbrannte Ozai die Hälfte seines Gesichts und verbannte ihn. Es wird also klar, warum Zuko so verbittert ist. Und obwohl er mit seinen Untergebenen und seinem Onkel in der Regel ziemlich schlecht umgeht, rettet er in dieser Folge außerdem das Leben eines seiner Soldaten und entschuldigt sich bei Iroh.
    In Folge 18 wird die tiefe Beziehung zwischen Zuko und seinem Onkel erneut beleuchtet und in Folge 19 gibt es eine rührende Abschiedsszene, in der Onkel Iroh Zuko gesteht, dass er seit dem Tod seines eigenen Sohnes für ihn väterliche Gefühle empfindet. Obwohl Zuko seine Emotionen zurückhält, wird klar, dass auch Zuko Iroh als Ersatzvater betrachtet.
    In Folge 20 schließlich, dem Staffelfinale, spricht Zuko selbst über seine schwierige Familiensituation und bietet seinem Feind Zhao, der in Folge 18 erst einen Mordanschlag auf ihn organisiert hat, in der Not eine helfende Hand an.
  • Zukos schwankende Loyalität gegenüber der Feuernation wird vor allem in Folge 13 deutlich, als Aang von Zhao gefangen genommen wird. Weil der Avatar Zukos einzige Hoffnung ist, wieder nach Hause zurückkehren zu dürfen, verkleidet er sich als der Blaue Geist und befreit Aang.
    Im Staffelfinale, in dem die Flotte der Feuernation den Nördlichen Wasserstamm angreift, um den Avatar gefangen zu nehmen, mischt Zuko als dritte Partei im Konflikt heimlich mit und will Aang entführen, bevor er Zhao in die Hände fällt.

Damit halten wir für Staffel 1 fest:

Obwohl Zuko in vielen Folgen einfach nur als wiederkehrender Antagonist fungiert, wird deutlich, dass er mehr ist als einfach nur ein Handlanger der Feuernation. Er kann bereits hier erste Sympathiepunkte sammeln und es wird sogar sein späterer Wechsel zu Team Avatar angedeutet: In Folge 13 arbeitet er mit Aang zusammen, um aus Zhaos Festung zu entkommen, und Aang bietet ihm schon da Freundschaft an. Im Staffelfinale retten Aang und seine Freunde dem bewusstlosen Zuko das Leben. Die Weichen für Zukos Seitenwechsel wurden also schon sehr früh gestellt.

Staffel 2: Der sympathische Antiheld

Figurenanalyse von Prinz Zuko (Avatar - Der Herr der Elemente)Richtig interessant wird sein Arc jedoch erst in Staffel 2, wo er seinen Antagonistenstatus verliert und mehr zum Protagonisten einer Parallelhandlung wird. Während Aang und seine Freunde durch das Erdkönigreich ziehen und jemanden suchen, der Aang das Erdbändigen beibringen könnte, sind Zuko und Iroh auf der Flucht. Nach ihrer Einmischung im Finale von Staffel 1 wurden sie von Feuerlord Ozai zu Kriminellen erklärt und werden von Zukos Schwester Azula verfolgt. Doch als Angehörige der Feuernation und Feuerbändiger noch dazu sind sie auch im Erdkönigreich nicht sicher. Deswegen reisen sie inkognito.

Der stolze Prinz Zuko hat jetzt nur noch seinen Onkel. Er hat keine Untergebenen mehr, keinen Status, kein Geld. Er und Iroh überleben in der Wildnis, wie sie können, lassen sich von Zivilisten des Erdkönigreiches aushelfen und betteln notfalls auch. Zuko kann das nicht ertragen. Daher lässt er den Blauen Geist wieder aufleben und beginnt zu plündern.

Während dieser Zeit sieht er aber auch das Leid, das die Feuernation über die anderen Völker gebracht hat. Sein Mitgefühl drückt sich dabei situativ unterschiedlich aus. Mal verzichtet er darauf, eine Familie von Flüchtlingen zu überfallen, obwohl er gerade am Verhungern ist, mal beschützt er Zivilisten vor Soldaten, die ihre Macht missbrauchen. Doch einen festen Platz scheint es für ihn in der Welt nicht mehr zu geben.

In Folge 7 werden seine Erlebnisse dabei von Flashbacks in die Zeit seiner Kindheit unterbrochen und der Zuschauer erfährt von der gutherzigen Natur seiner Mutter. Als sein Vater jedoch an die Macht kommen will, obwohl er nur der Zweitgeborene des damaligen Feuerlords Azulon ist, schwebt Zuko in Lebensgefahr. Seine Mutter opfert sich für ihn und verschwindet spurlos. Zuko, damals ein lieber, sensibler Junge, bleibt allein in der Gesellschaft seines grausamen Vaters und seiner verrückten Schwester zurück.

Von seiner eigenen Nation verfolgt, für alle anderen ein Feind, scheint er vom Avatar nicht mehr so sehr besessen zu sein: In Folge 8 verbündet er sich kurzzeitig mit Aang gegen seine Schwester. Und als sein Onkel Iroh dabei verwundet wird, verscheucht er Aang und seine Freunde sogar.

Nachdem Zuko Iroh wieder gesundgepflegt hat, machen die beiden sich auf nach Ba Sing Se, die Hauptstadt des Erdkönigreiches, und beginnen dort ein neues Leben. Sie bekommen Jobs in einem Teeladen, die Zuko zunächst als demütigend empfindet. Sein Onkel hingegen macht mit seinen Teemachkünsten Karriere und eröffnet sogar seinen eigenen Teeladen.

Zur selben Zeit sind aber auch Aang uns seine Freunde in der Stadt. Aangs Himmelsbison Appa wurde entführt und die Gruppe sucht nach ihm. Der mit seinen Lebensumständen nach wie vor überforderte Zuko sieht hier eine Chance, wird noch einmal zum Blauen Geist und macht Appa ausfindig. Bevor er ihn jedoch seinerseits entführen kann, ermahnt ihn sein Onkel, sich endlich von seinem Vater zu lösen und seine eigenen Werte und Ziele zu definieren. Daraufhin lässt Zuko Appa frei. Dafür legt Appa später, in der dritten Staffel, als Zuko sich Team Avatar anschließen will, ein gutes Wort für ihn ein.

Diese Entscheidung ist jedoch in so starkem Gegensatz zu dem, wie Zuko bisher gelebt hat, dass er in eine Krise rutscht und sogar körperlich krank wird. Nach seiner Genesung in Folge 19 wirkt er verändert, ungewohnt friedlich und genießt sein bescheidenes Leben. Mehr noch, als er in Folge 20 letztendlich doch in Azulas Gefangenschaft gerät, freundet er sich dort mit Katara aus Team Avatar an.

Nach all den Traumata und Metamorphosen, die Zuko im Verlauf der zweiten Staffel erlebt hat, scheint einem Seitenwechsel nichts mehr im Wege zu stehen. Der Zuschauer kennt den weichen, sensiblen Kern unter der arroganten und jähzornigen Schale, er weiß, warum Zuko so ist, wie er ist, er fühlt mit ihm mit und wünscht sich für ihn ein Happy End. Außerdem hat sich im Verlauf der zweiten Staffel auch Zukos Charakter zum Besseren gewandelt: Hat er in Staffel 1 noch alles und jeden angeschnauzt, ist der Zuko in Staffel 2 selbstbeherrschter, rücksichtsvoller und sogar etwas heroischer.

Und dann kommt im Staffelfinale der Schock: Als Azula Zuko die Rückkehr in die Feuernation und die Anerkennung seines Vaters anbietet und damit die Erfüllung seiner sehnlichsten Wünsche im Verlauf von zwei Staffeln, schlägt er sich auf ihre Seite und kämpft gegen Aang und seine Freunde. Er und Azula sind siegreich, Aang ist scheinbar tot und Zuko darf, wie versprochen, zurückkehren. Dabei quält er sich jedoch mit dem Gedanken, seinen Onkel, der mittlerweile ein Verbündeter des Avatar ist, verraten zu haben.

Staffel 3: Der strahlende Held

Figurenanalyse von Prinz Zuko (Avatar - Der Herr der Elemente)Dieser innere Konflikt ist die Grundlage für seinen absoluten Tiefpunkt in der ganzen Serie. In Staffel 3 kehrt Zuko als Held in die Feuernation zurück und bekommt endlich die langersehnte Liebe seines Vaters. Anders als zu Beginn von Staffel 2, hat er jetzt alles, was er sich je gewünscht hat, und ist dennoch unglücklicher als je zuvor. Er ist wütend auf sich selbst, hat Angst, dass Aang noch am Leben sein könnte, und als er in seiner Verzweiflung Onkel Iroh im Gefängnis besucht, dreht der ihm den Rücken zu.

Langsam deutet sich aber auch ein Umdenken an: In Folge 6 erfährt Zuko, dass er mütterlicherseits der Urenkel von Aangs vorheriger Inkarnation, Avatar Roku, ist. In Folge 9 darf er beim Kriegsrat zur Rechten seiner Vaters sitzen und ist äußerlich der perfekte Prinz, doch später gibt er zu, dass er dabei nicht er selbst war. Während eines Angriffs durch Aang und seine Verbündeten packt er schließlich seine Sachen und stellt sich seinem Vater. Er verurteilt, was Ozai ihm alles angetan hat, bezeichnet die Verbannung aber das das Beste, was ihm hätte passieren können.

Während Aang und seine Verbündeten eine erneute Niederlage erleiden, will Zuko seinen Onkel aus dem Gefängtnis befreien. Doch der ist mittlerweile selbst ausgebrochen und spurlos verschwunden. Deswegen verfolgt Zuko den fliehenden Avatar und seine Freunde allein.

Als Zuko Aang anbietet, ihm das Feuerbändigen beizubringen, wird er zunächst zurückgewiesen, doch nach einigem Hin und Her schließlich zähneknirschend aufgenommen. In den darauffolgenden Episoden steht er Aang und seinen Freunden zur Seite und gewinnt nach und nach ihr Vertrauen.

Als Ozai im Staffel- und Serienfinale einen vernichtenden Angriff gegen das Erdkönigreich startet, findet Zuko seinen Onkel wieder und verträgt sich mit ihm. Daraufhin schlägt Iroh vor, dass Zuko nach Ozais Niederlage der neue Feuerlord werden soll.

Während der finalen Schlacht kämpft Zuko zusammen mit Katara gegen Azula, wird dabei jedoch tödlich verwundet, als er sich selbstlos vor Katara wirft. Nach dem Sieg über Azula wird er jedoch von Katara geheilt und die Serie endet mit seiner Krönung zum neuen Feuerlord, bei der er eine Ära des Friedens ankündigt.

Aus dem ursprünglichen Antagonisten ist nach einer Reihe von Höhen und Tiefen also endlich ein strahlender Held geworden, der einen wichtigen Beitrag zur Rettung der Welt geleistet hat.

Vielschichtigkeit und Vielgesichtigkeit

Das war jetzt eine knappe Zusammenfassung von Zukos Werdegang im Verlauf der Serie. Wir können also nun einen knappen Bogen ausfüllen:

  • Sein Ziel ist, seine Ehre wiederherzustellen. Am Anfang versteht er darunter Anerkennung seines Vaters. Doch zum Ende hin erkennt er, dass er seine eigene Ehre wiederherstellen kann, indem er nach seinen eigenen Vorstellungen lebt.
  • Seine psychologische Schwäche ist somit, dass er sich den Werten seines Vaters beugt. Seine moralische Schwäche ist, dass er diese Werte auch anderen gegenüber rücksichtslos durchsetzt oder es zumindest versucht.
  • Sein psychologisches Bedürfnis ist, nach seinen eigenen Werten zu leben. Sein moralisches Bedürfnis ist, dem Avatar bei der Rettung der Welt zu helfen.

Hier wir merken aber schnell, dass dieser Bogen, der für viele andere Figuren wunderbar funktioniert, Zuko nicht wirklich gerecht wird. An ihm ist viel mehr dran als eine sorgfältige Herausarbeitung. Denn:

Sein abwechslungsreicher Arc bringt sehr unterschiedliche Facetten seiner Persönlichkeit zum Vorschein.

Zuko ist ein stolzer Prinz. Ein verzweifelter Junge, der einfach nur nach Hause will. Das Produkt einer autoritären und grausamen Erziehung. Eine liebe, fürsorgliche Seele. Ein fähiger Krieger. Ein Flüchtling und ein Bettler. Ein Räuber. Ein verunsicherter Teenager. Jemand, der nie aufgibt. Ein etwas ungeschickter Flirt- und Beziehungspartner. Ein Egoist. Ein selbstloser Freund. … Und das alles sehr harmonisch und logisch in einer einzigen Figur vereint.

Dass diese zwiebelhafte Vielschichtigkeit funktioniert, liegt zum einen daran, dass er immer wieder in Situationen gerät, die unterschiedlicher kaum sein könnten, und jede Situation eine neue „Schicht“ bzw. Facette aufdeckt. Zum anderen wird diese Vielschichtigkeit auch von seiner buchstäblichen Vielgesichtigkeit untermalt:

  • So teilt beispielsweise schon seine Narbe sein Gesicht in zwei Hälften.
  • Hinzu kommen der Blaue Geist als sein Alter Ego und sein Deckname Lee.
  • Und nicht zuletzt erlebt kaum eine andere Frisur in der Serie einen so starken Wandel wie die von Zuko.

Spiegelbild des Avatar

Die Vielgesichtigkeit bekommt außerdem noch eine viel größere Dimension, wenn man bedenkt, dass sein Arc den des Protagonisten spiegelt:

  • Da sind auf der einen Seite Folgen, in denen die Parallelen offensichtlich sind: In Staffel 1 ist das beispielsweise Folge 12, in der die Hintergrundgeschichten von Aang und Zuko parallel zueinander präsentiert werden. Ein Beispiel in Staffel 2 ist Folge 9, in der Aang und Zuko beide Schwierigkeiten haben, eine neue Technik zu lernen. Und ein Beispiel aus Staffel 3 ist Folge 6, wo Aang und Zuko aus unterschiedlichen Quellen, aber parallel zueinander die Geschichte von Avatar Roku und Feuerlord Sozin erfahren.
  • Allerdings gibt es auch viele subtilere Verknüpfungen, so beispielsweise in der ersten Folge der dritten Staffel, als Aang in nahezu zukohafter Manier davon redet, nach der Niederlage in Ba Sing Se seine Ehre wiederherstellen zu müssen. Zuko wird währenddessen von der Feuernation wie ein Held empfangen und seine Ehre scheint wiederhergestellt, doch ihm selbst und dem Zuschauer ist klar, dass diese Ehre nur oberflächlich ist.

Diese Spiegelung des Avatar ist im Übrigen auch sehr gut mit der Geschichte verknüpft, weil Zuko ja der Urenkel von Aangs früherer Inkarnation ist. Nach hundert Jahren ist er der erste Angehörige der Feuernation, der ihn findet. Und kein anderes Leben wird durch das Auftauchen des Avatar so verändert wie das seine. Sein Schicksal ist sehr eng an das von Aang gekoppelt. Man könnte sogar sagen:

Aang mag der eigentlich Auserwählte sein, der die Welt retten soll. Aber Zuko, der Kronprinz der Aggressornation, wurde „mitauserwählt„.

Und das ist ein zentraler Punkt, denn Aangs Aufgabe ist ja, die Harmonie wiederherzustellen. Erst als er mit Zuko Freundschaft geschlossen und von ihm das Feuerbändigen gelernt hat, kann er sich Feuerlord Ozai wirklich stellen.

Zukos komplexer und spannender Arc existiert also nicht einfach um eines komplexen und spannenden Charakterarcs willen. Er ist essenziell für den Plot und das zentrale Konzept der Serie.

Alle lieben Zuko!

Fatal wäre es allerdings gewesen, wenn Zuko bei den Zuschauern schlecht angekommen wäre. Doch das ist nicht passiert, denn Zuko scheint tatsächlich die allgemeine Lieblingsfigur in der ganzen Serie zu sein.

Warum?

  • Allem voran ist er natürlich, wie bereits gesagt, an sich eine sehr faszinierende Figur, deren Werdegang man gespannt verfolgt und über die man gerne nachdenkt.
  • Gleichzeitig ist sein Innenleben sehr nachvollziehbar und man fühlt mit ihm mit.
  • Er ist auch eine gute Identifikationsfigur, denn er ist zwar im Grunde ein guter Mensch, aber nicht perfekt. Er scheitert, rappelt sich wieder auf und das ist ermutigend zu beobachten.
  • Dabei ist er als cooler, intelligenter, badassiger Krieger und Feuerbändiger aber auch eine Power Fantasy.
  • Bei den weiblichen Fans spielen sicherlich auch sein gutes Aussehen, sein muskulöser Body und sein Status als eine Art dunkler Prinz eine Rolle.
  • Und nicht zuletzt hat er durch seine unfreiwillig komischen Wutausbrüche und seine in vielen späteren Szenen niedlich ungeschickte Art einen hohen Unterhaltungsfaktor.

Ich kenne wirklich nicht viele Figuren, die so viele Beliebtheitsfaktoren in sich vereinen.

Fazit

Wir halten also fest:

Die Figur Zuko ist ein Meisterwerk für sich.

Er wurde sehr fein herausgearbeitet, angemessen präsentiert und passt perfekt in das Gesamtkonzept der Serie. Im Prinzip wurden hier alle Register gezogen, um eine komplexe und zugleich sympathische Figur zu erschaffen.

Figurenanalyse von Prinz Zuko (Avatar - Der Herr der Elemente)Zuko ist so vielschichtig wie ein realer Mensch und ist dabei immer noch ein funktionierendes Zahnrad im Gesamtkunstwerk Avatar – Der Herr der Elemente.

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