Ist Dein Buch gut? – 7 Tipps, um das eigene Buch selbst ein­zu­schätzen

Ist Dein Buch gut? – 7 Tipps, um das eigene Buch selbst ein­zu­schätzen

„Ist mein Buch gut?“ – Diese Frage stellen wir Autoren uns oft, wäh­rend wir an unserem Roman schreiben. Denn als Schöpfer unseres Werkes können wir schlecht ein­schätzen, was an unserem Buch gut ist und was ver­bes­sert werden sollte. In diesem Artikel liste ich sieben Tipps auf, wie man als Autor einen nüch­ter­neren Blick auf die eigene Geschichte bekommt.

Die Folien für dieses Video gibt es für Steady-Abon­nenten und Kanal­mitglieder auf You­Tube als PDF zum Down­load.

Wäh­rend man als Autor an seinem Buch wer­kelt, durch­läuft man ver­schie­dene Phasen:

  • Mal hat man das Gefühl, an etwas Groß­ar­tigem zu arbeiten;
  • mal glaubt man, den größten Schrott aller Zeiten zu pro­du­zieren.

Gegen­über seinem eigenen Buch ist man in der Regel „betriebs­blind“ und kann nur schlecht ein­schätzen, wie gut oder schlecht es wirk­lich ist. Natür­lich kann man jemanden bitten, das Buch zu lesen und seine Mei­nung abzu­geben, aber manchmal muss man ein­fach selbst ein­schätzen können, was man drin­gend ver­bes­sern sollte.

Des­wegen habe ich hier sieben Tipps, wie man etwas Distanz zum eigenen Werk gewinnen und es etwas objek­tiver ein­schätzen kann.

Was ist ein „gutes Buch“?

Vorweg möchte ich aber auf einen wich­tigen Punkt hin­weisen:

Ein objektiv gutes Buch gibt es nicht!

Es gibt auch keine echten „Schreib­re­geln“, son­dern nur Emp­feh­lungen.

Die Sache ist:

Es kommt immer auf die Ziel­gruppe an!

Wenn du Horror schreibst und deine Bücher Leuten anzu­drehen ver­suchst, die lieber idyl­li­sche Geschichten lesen, werden sie deine Bücher ver­mut­lich schlecht finden. Egal, wie gut geschrieben sie sind.

Nichts­des­to­trotz wage ich mal zu behaupten, dass es durchaus Dinge gibt, die sich bei einer „Qua­li­täts­prü­fung“ auf fast jede Geschichte anwenden lassen. Das bedeutet nicht, dass ich in diesem Artikel alle davon auf­zählen kann, aber ich kann zumin­dest meine per­sön­li­chen Erfah­rungen teilen. Wer Tipps und Ideen hat, die ich hier nicht erwähne, der stelle sie doch bitte unten in den Kom­men­tar­be­reich, damit auch die anderen etwas davon haben.

Tipp 1: Der rote Faden

Fasse dein Buch in maximal drei Sätzen zusammen.

Kon­zen­triere dich nur auf das Wich­tigste. Wenn es schwer fällt, hat die Geschichte ver­mut­lich einen schwach her­aus­ge­ar­bei­teten roten Faden!

Ich habe mal meh­rere Jahre an einer Geschichte gear­beitet und als ich sie end­lich fer­tig­ge­stellt habe, hat meine Cou­sine mich gefragt, worum es da geht. Ich habe darauf ange­fangen, lang und breit die Hand­lung nach­zu­er­zählen und konnte ein­fach nicht auf den Punkt kommen. Weil es keinen Punkt gab. Meine Figuren schlit­terten von Situa­tion zu Situa­tion, die Prot­ago­nistin beob­ach­tete recht passiv das Leben ihres Ange­be­teten und ansonsten bestand die „Geschichte“ nur aus World-Buil­ding. Diese Geschichte hatte kein Ziel, kein wirk­li­ches Haupt­thema … keinen roten Faden, eben. Es ging um sehr viele Dinge, aber unterm Strich ging es um nichts.

Tipp 2: Kon­flikt

Ich galube, ich habe diesen Tipp schon oft gehört, aber so richtig hat er sich erst durch ein Video von Annika Büh­ne­mann in meinem Bewusst­sein ein­ge­nistet. Des­wegen ver­linke ich ihr Video hier. Sie erklärt es ein­fach so schön.

Und zwar emp­fiehlt sie, sich bei jeder Szene zu fragen:

Was ist der Kon­flikt bei dieser kon­kreten Szene?

In Annikas Video geht es um die Erzeu­gung von Span­nung. Und sie hat völlig recht. Denn wenn alles Friede, Freude, Eier­ku­chen ist, ist eine Szene nicht son­der­lich inter­es­sant. Sie ist monoton. Nichts gegen Ver­schnauf­pausen im Plot, aber es sind in der Regel Kon­flikte, die einen zum Wei­ter­lesen antreiben. Denn bei einem Kon­flikt wollen wir wissen, wie er aus­geht. Und idea­ler­weise ist eine ein­zige Szene in einem Roman selbst eine kleine Geschichte in sich mit Kon­flikt und Auf­lö­sung.

Tipp 3: Rele­vanz

Frage dich bei jeder Szene, jedem Absatz, jedem Satz etc.:

Ist der Inhalt wirk­lich rele­vant? Würde sich etwas ändern, wenn Du diesen Abschnitt löschst?

Zu viel Irrele­vantes könnte näm­lich bedeuten, dass du zu viel „schwa­felst“. Schmü­ckendes Bei­werk hier und da ist zwar schön, aber ab einem gewissen Punkt ist das ein­fach nur leb­loser Filler-Con­tent: Pas­sagen, an denen deine Geschichte still­steht.

Des­wegen: Kill your dar­lings! Egal, wie begeis­tert Du selbst von einer Pas­sage bist – wenn sie fak­tisch nichts zur Geschichte bei­trägt, gehört sie gelöscht.

Tipp 4: Distanz

Lass Dein Buch eine Weile liegen und lies es, wenn genug zeit­liche Distanz da ist:

Muss man sich zwingen wei­ter­zu­lesen oder kann man kaum auf­hören, obwohl man weiß, wie es wei­ter­geht?

Durch zeit­liche Distanz schaffst Du eben „Distanz“ zu deinem Werk und hast einen kla­reren Blick darauf. Du weißt nicht mehr jeden Satz aus­wendig, Du hast ein paar Details ver­gessen und Du hängst nicht mehr an irgend­wel­chen Klei­nig­keiten, dir Dir beim Schreiben viel­leicht wichtig waren. Deine Sicht auf Deine eigene Geschichte ist nun ein biss­chen näher an der Wahr­neh­mung Deiner Leser.

Tipp 5: Lese­fluss

Lies das Buch oder ein­zelne Text­stellen Dir selbst laut vor:

Da, wo man stockt, sind die Stellen, die sti­lis­tisch über­ar­beitet gehören.

Es ist eine Sache, wenn der Blick schnell über die Zeilen huscht, aber es ist eine andere Sache, wenn die Zunge nicht mit­macht. Holp­rige For­mu­lie­rungen, uner­wünschte Alli­te­ra­tionen, zu kom­plexe Satz­struk­turen usw. werden somit kör­per­lich spürbar.

Tipp 6: Stim­mung

Wir alle stol­pern gele­gent­lich über Geschichten, in denen zwar etwas pas­siert, die sich aber trotzdem monoton anfühlen. Wenn immer alles lustig und sonnig ist oder in absolut jedem Kapitel jemand ums Leben kommt, dann stumpft man ab. Was wir also brau­chen, ist ein Auf und Ab der Gefühle.

Als Autor kann man natür­lich nur schlecht ein­schätzen, an wel­chen Stellen der Leser welche Gefühle emp­findet, aber durch das Buch Der Best­seller-Code bin ich auf die Idee gekommen, die Stim­mung in meinen Geschichten Szene für Szene zu doku­men­tieren und einen Hand­lungs­gra­phen zu zeichnen.

Hier zum Bei­spiel der Graph zu meiner Fan­fic­tion Por­ce­lain Dust, die ich für das Aus­ar­beiten dieser Methode als „Ver­suchs­ka­nin­chen“ miss­braucht habe:

Ist Dein Buch gut? - 7 Tipps, um das eigene Buch selbst einzuschätzen

Die durch die kleinen Striche abge­trennten Abschnitte sind die ein­zelnen Kapitel in chro­no­lo­gi­scher Rei­hen­folge, die Punkte reprä­sen­tieren ein­zelne Szenen. Auf wel­cher Höhe die ein­zelnen Punkte ein­ge­tragen sind, hängt von der Stim­mung der jewei­ligen Szene ab. „100 %“ bedeutet dabei „höchstes Glück“ und „-100 %“ steht für „Kata­strophe“. Die oran­ge­far­bene Linie stellt die Durch­schnitts­werte der ein­zelnen Szenen dar, damit der all­ge­meine Trend etwas erkenn­barer wird.

Diese Wellen – vor allem, was mit ihnen in Der Best­seller-Code gemacht wird – ver­dienen eigent­lich ein Video für sich. Des­wegen an dieser Stelle nur knapp und all­ge­mein:

Idea­ler­weise sollte ein Graph regel­mä­ßige Wellen haben, ein Auf und Ab der Gefühle.

Durch die visu­elle Dar­stel­lung hat man als Autor einen unge­trüb­teren Blick auf den Gefühls­rhythmus und kann quasi aus „Vogel­per­spek­tive“ schauen, wo die Stim­mung noch etwas zu flach ist. So sind bei mir zum Bei­spiel das zweite und das dritte Kapitel etwas zu ereig­nislos.

Tipp 7: Sinn

Stelle Dir grund­le­gende Fragen zu deinem Buch:

Warum sollte jemand Dein Buch lesen? Für wen ist dieses Buch bestimmt? Wel­chen Mehr­wert bzw. Nutzen hat Dein Buch für Dein Ziel­pu­blikum?

Wie anfangs bereits gesagt, kommt es immer auf die Ziel­gruppe an. Ein Buch, das ver­sucht, allen zu gefallen, gefällt im End­ef­fekt oft nie­mandem. Denn unter­schied­liche Ziel­gruppen haben unter­schied­liche Bedürf­nisse, die man nicht alle mit ein und dem­selben Buch befrie­digen kann.

Wenn man seine Ziel­gruppe und den Nutzen für diese Ziel­gruppe nicht kon­kret benennen kann, sollte man auf­hor­chen. Denn es kann bedeuten, dass eine Geschichte keinen Schwer­punkt hat, kein Ziel und keinen Sinn. Solche Bücher hin­ter­lassen beim Leser einen komi­schen Nach­ge­schmack: Man weiß nicht, was man da gelesen hat, warum und was man davon halten soll.

Natür­lich kann es auch sein, dass man ein­fach noch nicht begriffen hat, für wen man schreibt. Da hilft nur Nach­denken und Ver­glei­chen mit anderen Büchern und deren Ziel­gruppen. Und außerdem:

Oft – nicht immer – schreibt man intuitiv für Leute, die einem zumin­dest in einem bestimmten Punkt ähn­lich sind.

Man kann die Suche nach seiner Ziel­gruppe also mit der Frage beginnen, warum man selbst das Buch über­haupt schreibt bzw. geschrieben hat.

Schluss­be­mer­kung

Natür­lich gibt es noch viel mehr Methoden, etwas Objek­ti­vität in die eigene Autoren­wahr­neh­mung zu bringen. Was ich auf­ge­zählt habe, waren nur die Punkte, die mir selbst dazu ein­ge­fallen sind und die ich bewusst ein­setze – oder es zumin­dest ver­suche.

Daher wie am Anfang gesagt: Wenn ihr wei­tere Ideen und Tipps habt, teilt sie doch unten in den Kom­men­taren, damit wir alle etwas davon haben.

4 Kommentare

  1. Hallo zusammen,

    vor wenigen Wochen habe ich meinen ersten Krimi geschrieben und diversen Ver­le­gern vor­ge­legt. Alle haben sich positiv über das Buch geäu­ßert. Leider waren es nur „Bezahl­ver­lage“! Mein Nachbar hat es gelesen und mir gesagt, dass er die letzten 200 Seiten (!) in einem gelesen hat, weil es so span­nend war. Das Buch wurde von mir mehr­mals hin­sicht­lich der o.g. Kri­te­rien bear­beitet und ich kann es heute kaum glauben, dass es wirk­lich von mir ist! Ich bräuchte noch wei­tere Mei­nungen, aber in meinem Bekann­ten­kreis ließt leider nie­mand!

    Theo Houf
    1. Wenn Du mit „Bezahl­ver­lagen“ Druck­kos­ten­zu­schuss­ver­lage meinst, dann Vor­sicht: Keine Ahnung, wie Dein Manu­skript ist, aber oft schmieren solche Ver­lage auch bei schlechten Manu­skripten den Autoren Honig ums Maul, nur damit sie einen Ver­trag abschließen und der Verlag Geld kas­sieren darf.
      Wenn Du zuver­läs­si­gere Rück­mel­dungen brauchst: Hast Du Dich schon in Autoren­com­mu­nitys umge­sehen? Und hast Du Dein Manu­skript auch schon mal lek­to­rieren lassen? Ein Lek­torat muss es ja so oder so geben und Lek­toren haben einen pro­fes­sio­nellen Blick.

  2. Ich bin 13 und schreibe gerade ein Buch

    Würdet ihr das lesen? Es soll für ca. 10+ sein.

    Das Mäd­chen Lara wohnt mit vielen Tieren gemeinsam Wald. Als eines Tages ein großer Brand aus­bricht, ver­lässt sie ihr Zuhause und die Tiere. Nun ist ihr Ziel, ihren besten Freund Schwung, einen Fuchs wie­der­zu­finden und lernt auf ihrer Reise viele neue Freunde kennen. Werden sie es gemeinsam schaffen, den Rat des Waldes, wel­cher Lara schon immer töten will, zu besiegen, und Laras Freunde wie­der­zu­finden?

    Pinus Nigra

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