Tipps für bes­sere Dia­loge

Tipps für bes­sere Dia­loge

Kaum eine Geschichte kommt ohne Dia­loge aus. Und diese können sowohl zu den High­lights einer Erzäh­lung gehören als auch zu einer Qual für den Leser werden. – Je nachdem, wie man sie hand­habt. Des­wegen schauen wir uns in diesem Artikel an, auf welche Aspekte man achten sollte, um gute Dia­loge zu schreiben.

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Sie lassen die Geschichte leben­diger wirken, sorgen für Dynamik und machen einen Text ange­nehmer zu lesen: Dia­loge.

Sie sind eine der wenigen Gele­gen­heiten, Figu­ren­rede unver­fälscht durch den Erzähler in der Geschichte unter­zu­bringen. Damit sind sie ein wun­der­bares Mittel, um die Figuren zu cha­rak­te­ri­sieren und ihre Per­spek­tiven dar­zu­stellen. – Und das oft mit wert­vollem Sub­text.

Nicht zuletzt sind Dia­loge in der Regel zeit­de­ckend. Für den Leser bedeutet das: Echt­zeit-Kopf­kino. Keine Ver­zö­ge­rungen oder Zeit­raf­fungen, son­dern flüs­siges Geschehen.

Kaum ein guter Roman kommt ohne gute Dia­loge aus. Des­wegen schauen wir uns heute an, wie man sie schreibt.

Ein kata­stro­phaler Dialog …

Beginnen wir heute zur Ein­stim­mung aus­nahms­weise mit einem Bei­spiel, wie man keine Dia­loge schreiben sollte.

„Guten Morgen“, lächelte Lies­chen.

„Guten Morgen“, ant­wor­tete Fritz­chen.

„Schönes Wetter heute, nicht wahr?“, meinte die Braun­haa­rige.

„Ja, sehr schönes Wetter“, bestä­tigte der Blau­äu­gige.

„Wollen wir uns draußen hin­setzen?“, schlug die junge Frau vor.

„Ja, gerne“, wil­ligte ihr Kol­lege ein.

Und? Rollen sich bei diesem Dialog auch Deine Zehen­nägel hoch? Ich habe hier längst nicht alles falsch gemacht, was man falsch machen kann, aber schon sehr viel. Reden wir also nun dar­über, was man bei Dia­logen tun und lassen sollte, und machen anschlie­ßend einen bes­seren Dialog daraus.

Rele­vanz

Der erste und viel­leicht wich­tigte Punkt ist etwas, das eigent­lich für jedes Ele­ment einer Geschichte gilt:

Dia­loge sollten rele­vant sein. Das heißt: Jeder Dialog sollte für die Geschichte eine wich­tige Funk­tion erfüllen.

Wenn ein Dialog aus der Geschichte gestri­chen werden kann, ohne dass etwas ver­loren geht, sollte er eben gestri­chen werden.

Denn nie­mand mag sinn­losen Filler-Con­tent. Wenn nichts pas­siert, ist der Leser zu Recht gelang­weilt. Ver­schwende also bitte nicht seine Zeit mit über­flüs­sigen Dia­logen (und über­flüs­sigen Szenen gene­rell).

Achte also auf fol­gende Punkte:

  • Deine Dia­loge sollten inhalt­lich zur Geschichte bei­steuern und idea­ler­weise den Plot vor­an­treiben. Ereig­nis­haf­tig­keit ist hierbei ein wich­tiges Stich­wort. Dazu ver­weise ich an dieser Stelle auf meinen bereits exis­tie­renden Artikel zu diesem Thema.
  • Gute Dia­loge (wie auch gute Szenen gene­rell) haben in der Regel einen Kon­flikt: Denn nie­mand will über Leute lesen, die sich ganz doll lieb haben und in deren Leben es nur Son­nen­schein gibt. (Dieses Thema haben wir übri­gens bereits in einem frü­heren Artikel ange­schnitten.)
  • Weil in Dia­logen Figu­ren­rede zumin­dest ver­meint­lich unver­fälscht wie­der­ge­geben wird, eignen sie sich her­vor­ra­gend dazu, Figuren zu cha­rak­te­ri­sieren. Über diesen Punkt reden wir in diesem Artikel noch aus­führ­li­cher.

Rele­vanz auch im Detail

Rele­vant sollte jedoch nicht nur der Dialog ins­ge­samt sein, son­dern auch ein­zelne Wörter und Sätze des Dia­logs sollten eine Exis­tenz­be­rech­ti­gung haben. Das heißt: Du soll­test keine Infor­ma­tionen wie­der­holen, die es bereits anderswo gibt. Das ist eine Stol­per­falle, in die viele tappen.

Im obigen Bei­spiel für den kata­stro­phalen Dialog kamen bereits meh­rere solche Fälle vor. Zum Bei­spiel dieser Satz:

„Ja, gerne“, wil­ligte ihr Kol­lege ein.

Wenn jemand „Ja, gerne“ sagt, dann wil­ligt er ein. Dieses Wort ist im Begleit­satz also eine dop­pelt-gemop­pelte Infor­ma­tion.

Oder ein anderes, etwas offen­sicht­li­cheres Bei­spiel:

Lies­chen fragte sich, wie es Fritz­chen wohl ging.

„Wie geht es dir?“, fragte sie.

Etwas besser wäre:

Als sie Fritz­chen begeg­nete, erin­nerte sie sich schlag­artig an den gest­rigen Vor­fall.

„Wie geht es dir?“, fragte sie.

Ver­meide Info-Dump!

Eine wei­tere mög­liche Funk­tion von Dia­logen ist die Expo­si­tion: Hin­ter­grund­in­for­ma­tionen für den Leser, damit er ver­steht, wie die nar­ra­tive Welt funk­tio­niert. Grund­sätz­lich ist es ele­ganter, Infor­ma­tionen in Dia­logen unter­zu­bringen als dass der Erzähler sie direkt beim Leser ablädt (das heißt: den Erzäh­ler­text wie einen Sach­text mit Infor­ma­tionen voll­stopft). Aller­dings lauern hier auch viele Gefahren:

  • Da wären ers­tens die soge­nannten „As you know“-Erzählsituationen: Wenn die Figuren sich gegen­seitig von Dingen erzählen, von denen sie alle bereits wissen, hat der Text inner­halb der Geschichte selbst keine Exis­tenz­be­rech­ti­gung.
  • Auch soll­test du bei Expo­si­tion in Dia­logen lange Text­blöcke meiden. Kein Mensch der Welt gibt Sach­texte aus­wendig wieder. Ein langer Monolog inner­halb eines Dia­logs ist höchs­tens nur dann berech­tigt, wenn eine Figur eine Geschichte erzählt und man deren Erzähl­fluss nicht unter­bre­chen möchte.

Als wei­ter­füh­rendes Mate­rial ver­weise ich an dieser Stelle zu meinem Artikel zum Thema Info-Dump.

Figuren und ihre Indi­vi­dua­lität

Ein häu­figer Rat­schlag bezüg­lich der Dia­loge lautet, dass der Leser anhand der wört­li­chen Rede allein den Spre­cher iden­ti­fi­zieren können sollte.

Das bedeutet, dass die Art und Weise, wie die Figuren spre­chen, indi­vi­duell sein sollte.

Denn das macht Dia­loge und die Geschichte ins­ge­samt nicht nur leben­diger, son­dern die Art zu spre­chen ist wichtig für die Cha­rak­te­ri­sie­rung der ein­zelnen Figuren.

Wie macht man die wört­liche Rede also indi­vi­duell?

Dazu gibt es eine Menge Punkte, an die man denken könnte bzw. sollte:

  • Zu den ersten Dingen, über die man nach­denken sollte, gehören Dia­lekt und Sozio­lekt: Beide zeigen an, wo die Figur her­kommt – geo­gra­phisch und gesell­schaft­lich. Rund um Han­nover, wo ich her­komme, spricht man zum Bei­spiel anders als in Tübingen, wo ich stu­diert habe. Denn viele Schwaben „schwä­beln“, selbst wenn sie eigent­lich Hoch­deutsch spre­chen. Mein Exfreund, der Bade ist, schwä­belt aus Prinzip nicht und spricht reines Hoch­deutsch, obwohl er in der Nähe von Stutt­gart auf­ge­wachsen ist. Was eine Menge über seine Per­sön­lich­keit und das his­to­ri­sche Ver­hältnis zwi­schen Baden und Würt­tem­berg aus­sagt.
    Das­selbe Prinzip gilt für auch für den Sozio­lekt: Denn man saugt die spe­zi­fi­sche Sprech­weise des eigenen sozialen Milieus mehr oder weniger mit der Mut­ter­milch auf – oder man wehrt sich dagegen, was ja auch sehr viel über einen aus­sagt.
  • Auch Sub­kul­turen beein­flussen die Sprache eines Men­schen. Ich bin bei­spiels­weise Russ­land­deut­sche und ich kann damit aus erster Hand bezeugen, dass wir Russ­land­deut­schen bestimmte Wörter aus dem Deut­schen ent­lehnt und zum Teil ver­un­staltet haben, sodass unser Rus­sisch von den Russen in Russ­land – oder auch in anderen Teilen der Welt – nicht immer zu 100 % ver­standen werden kann. – Und dann gebraucht meine Oma auch Wörter, die ich lange Zeit nicht ver­stehen konnte, weil sie kon­ser­vierte Über­bleibsel eines deut­schen Dia­lekts aus dem 19. Jahr­hun­dert mit rus­si­cher Aus­sprache sind. Von Dingen wie Jugend­slang, Fach­jargon aller mög­li­chen Bereiche und Begriffen, die zum Bei­spiel um bestimmte Musik­rich­tungen herum ent­stehen, will ich gar nicht erst anfangen.
  • Nicht zuletzt hat jeder Mensch auch seinen höchst eigenen Idio­lekt: die indi­vi­du­elle Sprache eines Men­schen inklu­sive Wort­schatz, Syntax und Aus­sprache.
  • Aber auch die Per­sön­lich­keit beein­flusst die Sprache: So gibt es z.B. Men­schen, die gerne viel Sub­text in ihre Sprache ein­bauen, wie auch Men­schen, die alles buch­stäb­lich nehmen und auch selbst immer genau das sagen, was sie meinen. Manche Men­schen neigen mehr zu Dingen wie Ironie und Sar­kasmus, manche weniger. Manche schimpfen mehr, manche weniger und manche gar nicht.
  • Außerdem haben viele Men­schen neben recht gän­gigen Macken wie bestimmten Füll­wör­tern („sozu­sagen“, „irgendwie“), Nuscheln und Sicher­heits­fragen („…, oder?“, „…, nicht wahr?“) auch sehr spe­zi­elle Sprach­ticks: Ob es nun eine bestimmte Lieb­lings­me­ta­phorik ist, ein Hang zu Sprich­wör­tern oder Wort­spielen oder auch das unver­gess­liche Chrm, chrm von Dolores Umbridge in den Harry Potter-Büchern. Ich selbst zum Bei­spiel habe eine ziem­liche Vor­liebe für Dimi­nu­tive.

Nicht ver­gessen werden sollte auch, dass die Sprache eines Indi­vi­duums sich je nach Situa­tion und Adressat gerne ändert:

  • So können Eigen­heiten wie Stot­tern nicht nur etwas über eine Per­sön­lich­keit ins­ge­samt aus­sagen, son­dern auch über den aktu­ellen Gemüts­zu­stand des Men­schen.
  • Auch die Reak­tion zweier Men­schen auf ein und die­selbe Situa­tion kann grund­sätz­lich unter­schied­lich aus­fallen: Abhängig vom Tem­pe­ra­ment mag jemand auf eine schlechte Nach­richt gelassen reagieren, wäh­rend ein anderer viel­leicht wütend los­schreit.
  • Und außerdem hängt unsere Sprache sehr stark davon ab, ob wir uns im Kreis der Familie, unter Freunden oder unter unseren Kol­legen befinden. Ob wir mit einem Mann reden oder mit einer Frau. Mit einem Erwach­senen oder einem Kind. Mit einer Putz­frau oder einem Staats­ober­haupt.

Vor allem aber sagt die Art und Weise, wie sich die Sprache eines Men­schen ver­än­dert, sehr viel dar­über aus, wer er ist.

Was ich unterm Strich also sagen will, ist:

Was die Figuren wie und in wel­cher Situa­tion sagen, sagt sehr viel über sie aus. Und was wir bereits über sie wissen, spie­gelt sich folg­lich in dem, was sie sagen, sodass wir sie alleine daran erkennen können.

Tipps für bessere Dialoge

Hier ein simples Bei­spiel:

Aus dem bis­he­rigen Ver­lauf der Geschichte wissen wir, dass Lies­chen eine Pes­si­mistin ist und Fritz­chen ein unver­bes­ser­li­cher Opti­mist. Nun stürzen die beiden von einem Hoch­haus.

Dabei schreit einer: „Aaaaaaaaah, ich falle!“

Und der andere: „Juhuuu, ich fliege!“

Und weil wir die Figuren ja bereits kennen, können wir ohne Hilfe sei­tens des Erzäh­lers zuordnen, wel­cher Schrei zu wem gehört. Außerdem erkennen wir, dass Lies­chen zwar einen bes­seren Sinn für Rea­lität besitzt, aber Fritz­chen im Hier und Jetzt der glück­li­chere Mensch ist.

So weit, so gut. Aber an dieser Stelle auch eine War­nung:

Bitte, bitte nicht über­treiben!

Dass man den Spre­cher anhand der wört­li­chen Rede iden­ti­fi­zieren können sollte, ist ein Ideal. Es sollte nicht in Dia­loge aus­arten, in denen jeder einen mar­kanten Sprach­tick hat, jeder Stot­terer explizit ein­ge­baut wird und alle nur noch Dia­lekt reden. Denn dann ist die Suppe schnell über­würzt.

Rea­lismus

Grund­sätz­lich wird es gerne gesehen, wenn Dia­loge rea­lis­tisch und authen­tisch sind. Es ist meis­tens zum Bei­spiel eher schwierig, zu Figuren ein Gefühl von Nähe auf­zu­bauen, wenn sie immer extrem hoch­ge­sto­chen spre­chen. Das Gegen­teil von hoch­gradig sti­li­sierter Rede ist die wort­wört­liche Wie­der­gabe dessen, wie Men­schen wirk­lich spre­chen:

  • Sie ver­has­peln sich und stot­tern,
  • bilden unvoll­stän­dige Sätze,
  • miss­ver­stehen sich und reden anein­ander vorbei,
  • schweifen in ihren Gesprä­chen ab zu völlig irrele­vanten Dingen,
  • ver­wenden viele über­flüs­sige Wörter,
  • wie­der­holen sich inhalt­lich,
  • halten sich an aus­schwei­fende Höf­lich­keits­ri­tuale,
  • fallen sich gegen­seitig ins Wort und reden sogar gleich­zeitig

Ein Text, der in seinen Dia­logen das alles penibel umsetzt, wird für den Leser schnell zur Qual. Denn in erzäh­lenden Texten geht es bei Gesprä­chen meis­tens mehr um das Was und weniger um das Wie. – Natür­lich ist es wichtig, wie jemand etwas sagt, aber es ist in den meisten Fällen das Was, das den Plot vor­an­treibt. So rea­lis­tisch ein­zelne kos­me­ti­sche Details wie das Stot­tern oder Füll­wörter auch sein mögen – sie tragen meis­tens wenig zur Hand­lung bei und sind somit über­flüssig. Denn schlimms­ten­falls lenken sie sogar von den wich­tigen Dingen einer Geschichte ab.

Rea­lismus ist bei Dia­logen wie Salz beim Kochen: In Maßen sorgt es für Authen­ti­zität und Nähe zum Leser sowie für eine bes­sere Cha­rak­te­ri­sie­rung der Figuren. Doch wenn man es über­treibt, ist die Suppe ver­salzen und unge­nießbar.

Des­wegen sollten die in diesem Abschnitt auf­ge­lis­teten Punkte mehr als eine Art dezente Deko­ra­tion ver­wendet werden und nicht als Haupt­schwer­punkt der Dia­loge auf­treten. Wenn Du sie ein­baust, sollten sie abseits vom Rea­lismus eine wich­tige Funk­tion inner­halb der Hand­lung erfüllen. Und wenn sie es nicht tun, dann lass sie weg.

Sub­text

Der Psy­cho­loge und Kom­mu­ni­ka­ti­onwis­sen­schaftler Frie­de­mann Schulz von Thun hat das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­qua­drat ent­wi­ckelt. Nach diesem Modell ent­hält jede Äuße­rung vier Bot­schaften gleich­zeitig:

  • die Sach­in­for­ma­tion
    (Fakten, Daten, Sach­ver­halte)
  • die Selbst­kund­gabe
    (was der Spre­cher durch das Gesagte über sich selbst aus­sagt)
  • der Bezie­hungs­hin­weis
    (wie der Spre­cher meint zum Adres­saten zu stehen)
  • der Appell
    (was der Spre­cher beim Adres­saten errei­chen möchte)

Das bedeutet zum Bei­spiel:

Lies­chen betritt einen Raum und sagt: „Es ist kalt hier drin.“

Diese Aus­sage hat nach Schulz von Thun nun vier Bedeu­tungen. Diese könnten sein:

  • die Sach­in­for­ma­tion: „In diesem Raum ist es kalt.“
  • die Selbst­kund­gabe: „Ich friere.“
  • der Bezie­hungs­hin­weis: „Ich ver­traue auf deine Hilfs­be­reit­schaft.“
  • der Appell: „Mach das Fenster zu.“

Wenn deine Figuren also mit­ein­ander ins Gespräch kommen, bedenke, dass die Kom­mu­ni­ka­tion eben nicht nur auf der Sach­ebene statt­findet. Was sagen sie zwi­schen den Zeilen? Was ist ihre Selbst­kund­gabe, ihr Bezie­hungs­hin­weis und ihr Appell?

Denn reale Men­schen sagen immer etwas zwi­schen den Zeilen und Dia­loge, die aus­schließ­lich auf der Sach­ebene statt­finden, wirken des­wegen leicht rea­li­täts­fern, platt und lang­weilig.

So weit so gut. Doch wenn wir noch einen Schritt weiter gehen …

Wir Men­schen sind ver­schieden und in einem Dialog gibt es da noch min­des­tens einen Gegen­über, der die Aus­sage inter­pre­tiert. Und diese Inter­pre­ta­tion kann etwas völlig Anderes sein als das, was der Spre­cher gemeint hat.

Kehren wir also zurück zu unserem Bei­spiel:

Fritz­chen hat Lies­chens Aus­sage gehört, auf seine eigene Weise inter­pre­tiert und ant­wortet: „Hm. Den Ein­druck habe ich nicht.“

Er hat auf seine Weise zwi­schen den Zeilen gelesen und denkt ehr­lich und auf­richtig, dass Lies­chen nur seine Mei­nung zur Raum­tem­pe­ratur wissen möchte. Des­wegen kann er beim besten Willen nicht nach­voll­ziehen, warum sie plötz­lich so ver­letzt ist.

Wie Du also siehst, bietet auch das Ver­stehen oder Nicht­ver­stehen von Sub­text einen frucht­baren Nähr­boden für Kon­flikte und inter­es­sante Inter­ak­tionen zwi­schen Figuren gene­rell.

Das Drum­herum von Dia­logen

Doch nicht nur der Inhalt der wört­li­chen Rede macht einen guten Dialog aus, son­dern auch das Drum­herum. Hier also einige solche Dinge …

Das Tal­king Head Syn­drome

Ver­giss nie das buch­stäb­liche Drum­herum von Dia­logen. Denn eine gute Dialog-Szene besteht nicht nur aus dem, was die Figuren sagen.

Denn wenn Men­schen reden, bewegen sie ihren Körper, haben Gestik und Mimik, und sie inter­agieren mit ihrer Umwelt.

Wenn du deinen Dialog nicht mit diesen gesprächs­be­glei­tenden Hand­lungen auf­lo­ckerst, kommt es zum soge­nannten Tal­king Head Syn­drome:

Weil die Figuren außer Reden offenbar nichts tun, sieht man als Leser keine leben­dige Szene vor sich, son­dern zwei Köpfe in einem leeren Raum, die Wörter aus­tau­schen.

Mache Dir also bei jedem Dialog auch Gedanken dar­über, was Deine Figuren wäh­rend des Redens tun und was um sie herum pas­siert.

Solche Hand­lungen sind übri­gens auch ein gutes Mittel, um Text­blöcke in der wört­li­chen Rede auf­zu­lo­ckern. Und außerdem helfen sie auch beim nächsten Punkt …

Begleit­sätze

Die wohl schmerz­haf­testen Stol­per­fallen bei Dia­logen lauern in Begleit­sätzen zur wört­li­chen Rede. Denn leider, leider lernen viele von uns in der Schule zwei blöd­sin­nige Dinge: viele Syn­onyme für „sagen“ und viele Umschrei­bungen für den Spre­cher.

Du hast es bestimmt schon vorhin bei meinem Bei­spiel für einen kata­stro­phalen Dialog gespürt:

Die Syn­onyme für „sagen“ sind oft inhalt­lich über­flüssig, schlimms­ten­falls ein­fach unpas­send, und lenken vom Dialog selbst ab.

Auch Umschrei­bungen der Spre­cher wirken oft fehl am Platze und lenken vom Dialog ab.

Gerade bei den Umschrei­bungen der Spre­cher gibt es bei anfan­genden Autoren diesen irr­sin­nigen Trend, immer wieder die Augen- und Haar­farben der Figuren her­vor­zu­heben, obwohl diese rein gar nichts zur Hand­lung bei­tragen.

In Bezug auf Begleit­sätze ist es wichtig zu ver­stehen:

Ein per­fekter Begleit­satz hat mög­lichst unauf­fällig zu sein, um den Fluss des Dia­logs nicht zu stören.

Aber wie macht man das?

Nun, bei den Umschrei­bungen der Spre­cher kann man ganz klas­sisch die Namen ver­wenden und sie so oft wie mög­lich mit Per­so­nal­pro­nomen („er“/„sie“) ersetzen. – Keine Sorge, dass es die Leser nervt! Denn „Fritz­chen“ fällt in einem Text viel weniger auf als „der Blau­äu­gige“ und mar­kiert zugleich ganz unmiss­ver­ständ­lich den Spre­cher.

Auch „sagen“ braucht keine Umschrei­bungen und Syn­onyme. Denn „sagen“ ist ein so gebräuch­li­ches, simples und neu­trales Wort, dass es beim Lesen kaum ins Auge fällt. Das bedeutet nicht, dass man auf Syn­onyme kom­plett ver­zichten sollte, aber diese sind nur selten zu gebrau­chen und aus­schließ­lich nur dann, wenn es passt.

Noch besser als „sagen“, ist es aber, die Begleit­sätze durch Hand­lungen zu ersetzen. Zum Bei­spiel so:

Fritz­chen blicke aus dem Fenster und nickte. „Ja, sehr schönes Wetter.“

Hier geht aus dem Text von alleine hervor, dass Fritz­chen der Spre­cher ist. Ein Begleit­satz ist nicht nötig.

Und, last but not least, bietet es sich tat­säch­lich manchmal an, die wört­liche Rede ein­fach so ohne Begleit­satz oder sogar Hand­lung stehen zu lassen. Das ist vor allem dann sinn­voll, wenn zwei Figuren einen schnellen Wort­wechsel haben (und man die Erzähl­zeit nicht in die Länge ziehen will) und/oder wenn aus dem Zusam­men­hang sowieso klar ist, wer gerade spricht.

For­malia

Zuletzt möchte ich hoch auf zwei Punkte zur for­malen Text­ge­stal­tung ein­gehen.

Ers­tens:

Beginne jedes, jedes, JEDES Mal einen neuen Absatz, wenn der Spre­cher wech­selt!

Kaum etwas ist unüber­sicht­li­cher als ein Dialog, in dem der Über­gang von einem Spre­cher zum anderen nicht visuell gekenn­zeichnet ist. Ver­gleiche selbst, was leser­li­cher ist:

  • Ohne Absätze:

„Guten Morgen“, lächelte Lies­chen. „Guten Morgen“, ant­wor­tete Fritz­chen. „Schönes Wetter heute, nicht wahr?“, meinte die Braun­haa­rige. „Ja, sehr schönes Wetter“, bestä­tigte der Blau­äu­gige. „Wollen wir uns draußen hin­setzen?“, schlug die junge Frau vor. „Ja, gerne“, wil­ligte ihr Kol­lege ein.

  • Mit Absätzen:

„Guten Morgen“, lächelte Lies­chen.

„Guten Morgen“, ant­wor­tete Fritz­chen.

„Schönes Wetter heute, nicht wahr?“, meinte die Braun­haa­rige.

„Ja, sehr schönes Wetter“, bestä­tigte der Blau­äu­gige.

„Wollen wir uns draußen hin­setzen?“, schlug die junge Frau vor.

„Ja, gerne“, wil­ligte ihr Kol­lege ein.

Zwei­tens:

Achte auf die kor­rekte Zei­chen­set­zung bei der wört­li­chen Rede!

  • Benutze Anfüh­rungs­striche, um die wört­liche Rede zu kenn­zeichnen.
  • Trenne die wört­liche Rede vom Begleit­satz durch ein Komma.
  • Wenn die wört­liche Rede von einem Begleit­satz gefolgt wird, wird bei der wört­li­chen Rede kein Punkt. Ein Aus­rufe- oder Fra­ge­zei­chen hin­gegen schon.

Diesen Punkt haben wir übri­gens bereits in in einem frü­heren Artikel ange­schnitten.

Bes­serer Dialog

Da wären wir also nun. So viel zu meinen Tipps für bes­sere Dia­loge. Und wie anfangs ver­spro­chen, will ich nun schauen, ob ich aus dem kata­stro­phalen Dialog vom Anfang einen bes­seren machen kann. Ich behaupte nicht, dass meine bes­sere Vari­ante gran­dios ist, aber allemal besser als die kata­stro­phale Vari­ante.

Als Lies­chen den Raum betrat, saß Fritz­chen bereits am Tisch und starrte mit säu­er­li­cher Miene ins Leere.

Sie quetschte ein Lächeln hervor. „Guten Morgen.“

Fritz­chen blickte auf.

„Guten Morgen“, sagte sein Mund. „Fall tot um“, sagten seine Augen.

Sie holte tief Luft. Ja, auch ihr Magen wollte sich des Früh­stücks ent­le­digen bei dem bloßen Gedanken, dass sie den ganzen Tag mit ihm zusam­men­ar­beiten musste. Aber sie waren doch zwei erwach­sene Men­schen!

Na ja. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten. Augen zu und durch!

Sie ließ ihren Blick durch das dunkle Bespre­chungs­zimmer schweifen und blieb am Fenster hängen. Ein saf­tiges Grün und ein kräf­tiges Blau leuch­teten herein.

„Schönes Wetter heute, nicht wahr?“

„Ja, sehr schönes Wetter.“ Fritz­chen hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, aus dem Fenster zu schauen.

„Wollen wir uns draußen hin­setzen?“

Fritz­chen ant­wor­tete nicht sofort. Für einen Moment wurde seine Miene sogar noch säu­er­li­cher und seine ver­schränkten Hände wirkten ver­krampft. Doch dann ent­spannte sich plötz­lich seine gesamte Hal­tung wie ein Ballon, aus dem Luft abge­lassen wurde.

„Ja, gerne“, sagte er leise.

Ich hoffe, ich konnte mit den beiden Vari­anten ein und des­selben Dia­logs demons­trieren, wel­chen Unter­schied die Befol­gung zumin­dest einiger der in diesem Video erwähnten Tipps aus­ma­chen kann. Und vor allem: Warum gute Dia­loge wirk­lich, wirk­lich wichtig sind.

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