Schreibstil verbessern: Besser formulieren für ausdrucksstarke Texte

Schreibstil verbessern: Besser formulieren für ausdrucksstarke Texte

Ein guter Schreib­stil erfor­dert natür­lich sehr viel Übung. Doch mit eini­gen Tricks kannst Du ihn jetzt sofort ver­bes­sern. Und genau die­se Tricks ver­ra­te ich Dir in die­sem Arti­kel: Ler­ne bes­ser zu for­mu­lie­ren und schrei­be bes­se­re, aus­drucks­star­ke Texte.

Es ist nahe­zu gru­se­lig, wie ein­fach man sei­nen Schreib­stil ver­bes­sern kann. – Und das soll­te das Ziel eines jeden Autors sein: Denn wer wür­de schon eine noch so inter­es­san­te Geschich­te lesen, wenn sie unles­bar geschrie­ben ist? Wenn man jeden Satz zwei­mal lesen muss, um ihn zu ver­ste­hen? Wenn man mit­ten­drin den Faden verliert?

Ein flüs­si­ger Schreib­stil ist eine Kunst für sich. Spra­che, die ein­fach nur mühe­los dahin­flutscht, erfor­dert natür­lich viel Übung. Mehr noch:

An einer ein­fa­chen, flüs­si­gen und schein­bar mühe­lo­sen Spra­che erkennt man einen Autor, der sein Hand­werk wirk­lich beherrscht.

Dass man viel schrei­ben muss, um an die­sen Punkt zu gelan­gen, ver­steht sich von selbst. Doch Du kannst den Lern­pro­zess mäch­tig ankur­beln. Dafür musst Du Dir bewusst machen, wel­che kon­kre­ten Din­ge Dei­nen Schreib­stil schwer­fäl­lig machen. Wor­auf Du beim Schrei­ben ach­ten und was Du beim Über­ar­bei­ten eli­mi­nie­ren solltest.

Und um genau sol­che Details – häu­fi­ge Stil­feh­ler – geht es in die­sem Video. Wenn Du sie stets im Hin­ter­kopf behältst – glau­be mir, Dein Schreib­stil wird schlag­ar­tig bes­ser.

Komplizierter Schreibstil vs. einfacher Schreibstil

Ja, es gibt sie: Erfolg­rei­che Autoren, die einen unmög­lich kom­pli­zier­ten Schreib­stil haben. Und manch­mal ist so ein Schreib­stil auch durch­aus berech­tigt. Doch in den meis­ten Fäl­len steht ein kom­pli­zier­ter Schreib­stil dem Erfolg eines Romans eher im Weg.

Schreibstil verbessern: Besser formulieren für ausdrucksstarke TexteSo haben Jodie Archer und Mat­thew L. Jockers her­aus­ge­fun­den, dass die meis­ten Best­sel­ler im Gegen­satz zu den meis­ten Nicht-Best­sel­lern auf eine authen­ti­sche All­tags­spra­che Wert legen. Auf eine ein­fa­che Spra­che, die nah am Leser ist. Die nur so dahin­fließt, sodass der Leser sich zurück­leh­nen und sich von der Hand­lung trei­ben las­sen kann. Wenn jeder Satz beson­de­re Kon­zen­tra­ti­on erfor­dert, ist das natür­lich nicht möglich.

Vie­le begin­nen­de Autoren hal­ten die Schwer­fäl­lig­keit ihrer Spra­che oft für ihren indi­vi­du­el­len Schreib­stil. Dabei sind es in Wirk­lich­keit immer wie­der die­sel­ben Din­ge, die einen Text unnö­tig ver­kom­pli­zie­ren. Ich wür­de daher sagen:

Erst, wenn Du die­sen Wust an sti­lis­ti­schen Anfän­ger­feh­lern ver­mei­dest, kommt Dei­ne wah­re Indi­vi­dua­li­tät zum Vorschein.

Aber was sind denn nun die­se sti­lis­ti­schen Anfän­ger­feh­ler? – Gehen wir sie doch nach­ein­an­der durch!

Stilfalle 1: Satzlänge

Man möch­te mei­nen, ein­fa­che Sät­ze zu bil­den wäre ein­fach. Ist es aber nicht. Denn vie­le Autoren – inklu­si­ve mich selbst – nei­gen zumin­dest in der Anfangs­pha­se zu end­lo­sen Schachtelsätzen.

Mer­ke Dir also fol­gen­de Faustregeln:

Ein guter, kur­zer Satz besteht aus 8–12 Wör­tern. Maxi­mal 20 Wör­tern.

Jeder Gedan­ke braucht einen eige­nen Satz.

Wenn ein Satz zu lang ist bzw. zu vie­le Gedan­ken ent­hält, merkst Du das ganz leicht an den vie­len Kom­mas. Die­se Kom­mas sind oft gute Stel­len, um einen Satz zu tei­len. Erset­ze also pas­sen­de Kom­mas ein­fach durch Punk­te. Und mache Neben­sät­ze zu Haupt­sät­zen oder eli­mi­nie­re sie komplett.

Extre­mes Beispiel:

„Nach­dem Fritz­chen und Lies­chen das Café, wo sie der Bedie­nung, die sehr freund­lich gewe­sen war, ein groß­zü­gi­ges Trink­geld hin­ter­las­sen hat­ten, ver­las­sen hat­ten, gin­gen sie ins Kino, aller­dings nur ganz kurz, denn es lief nichts Gutes, also gin­gen die nach Hau­se und gönn­ten sich einen Netflix-Abend.“

Bes­ser wäre:

„Fritz­chen und Lies­chen gaben der freund­li­chen Bedie­nung ein groß­zü­gi­ges Trink­geld. Dann ver­lie­ßen sie das Café und gin­gen ins Kino. Da lief aber nichts Gutes. Also gin­gen sie nach Hau­se und gönn­ten sich einen Netflix-Abend.“

Wenn Du aber nun meh­re­re Sät­ze hast, dann hast Du meh­re­re säu­ber­lich getrenn­te Gedan­ken. Und meh­re­re Gedan­ken erge­ben einen Aspekt.

Noch eine Faustregel:

Jeder Aspekt braucht einen eige­nen Absatz.

Das heißt: Jedes Mal, wenn das The­ma auch nur ansatz­wei­se in eine neue Rich­tung drif­tet – Neu­en Absatz begin­nen! Denn „Text­wän­de“ sind schwer zu lesen.

Zum Bei­spiel:

Hier ist ein Foto aus dem Step­pen­wolf von Her­mann Hes­se. Der Autor macht eher wenig Absät­ze. Inhalt­lich moch­te ich das Buch, aber das Lesen an sich war stel­len­wei­se eine Qual.

Schreibstil verbessern: Besser formulieren für ausdrucksstarke Texte
Bei allem Respekt für Her­mann Hes­se: Die „Text­wand“ macht einem Angst.

Stilfalle 2: Schwerfällige Formulierungen

Doch nicht nur die Län­ge an sich macht Sät­ze kom­pli­ziert: Das Deut­sche kennt meh­re­re gram­ma­ti­sche Kon­struk­tio­nen, die den Sprach­stil schwer­fäl­lig machen. Wenn Du sie also nicht unbe­dingt brauchst, soll­test Du sie vermeiden.

Der Konjunktiv

Die ers­te sper­ri­ge Kon­struk­ti­on ist der Kon­junk­tiv. Zur Erinnerung:

  • Man ver­wen­det den Kon­junk­tiv I bei Wün­schen und Auf­for­de­run­gen sowie bei indi­rek­ter Rede:

„Möge die Macht mit dir sein!“

„Fritz­chen sag­te, er wol­le noch etwas erledigen.“

  • Der Kon­junk­tiv II ist ent­we­der eine Alter­na­ti­ve zum Kon­junk­tiv I, falls die ent­spre­chen­de Form mit einer ande­ren Form ver­wech­selt wer­den könn­te; oder er drückt etwas Unwahr­schein­li­ches aus:

„Ich sag­te, ich hät­te einen Hund.“
(Statt: „Ich sag­te, ich habe einen Hund.“)

„Ich wollt‘, ich wär‘ ein Huhn.“

Der Kon­junk­tiv II hat außer­dem die „Würde“-Form als Alternative:

„Ich wür­de dir zustim­men, wenn ich dei­ne Mei­nung tei­len würde.“

Wie schwer zu über­se­hen ist, füh­len sich Kon­junk­ti­ve oft ver­al­tet an. Sie wer­den in der gespro­che­nen Spra­che kaum ver­wen­det und fal­len beim Lesen des­we­gen sofort ins Auge.

Auch muss man gera­de beim Irrea­lis etwas umden­ken, weil man einer­seits eine Infor­ma­ti­on bekommt, die­se aber nicht stimmt.

Dar­über hin­aus haben bei­de Kon­junk­ti­ve das Pro­blem, dass sie nichts Kon­kre­tes aus­sa­gen: Es sind Wün­sche, Mög­lich­kei­ten und die Wie­der­ga­be von etwas, das jemand angeb­lich gesagt hat. Was Kon­junk­ti­ve hin­ge­gen nicht haben, sind kla­re Aus­sa­gen und Autorität.

Wenn die jewei­li­ge Text­stel­le es also nicht zwangs­läu­fig erfor­dert, ist es sinn­voll, sich beim Schrei­ben einer Geschich­te um Kon­junk­ti­ve her­um­zu­schlän­geln und dem Leser etwas Kon­kre­tes und – vor allem – Rea­les zu geben.

Das Passiv

Die zwei­te sper­ri­ge Kon­struk­ti­on ist das Pas­siv. Auch sie ist umständ­lich und erfor­dert ein Umden­ken:

„Lies­chen wird von Fritz­chen geliebt.“

Im Aktiv klingt der Satz nicht nur viel prä­gnan­ter, son­dern ist auch kür­zer und ein­fa­cher:

„Fritz­chen liebt Lieschen.“

Außer­dem: Eine Geschich­te braucht Hand­lung. Jemand muss han­deln. Und das Aktiv drückt genau das aus. Das Pas­siv hin­ge­gen hin­ter­lässt einen Ein­druck von Pas­si­vi­tät. Die Din­ge pas­sie­ren ein­fach, ohne dass jemand etwas dafür tut.

Daher macht der Gebrauch des Pas­sivs nur Sinn, wenn die ent­spre­chen­de Situa­ti­on es wirk­lich erfordert.

Die Negation

Die drit­te sper­ri­ge Kon­struk­ti­on ist die Nega­ti­on. Das sind Sät­ze mit Wör­tern wie „nicht“, „kein“ und „ohne“. Auch hier muss das Gehirn umden­ken: Es sieht ein Bild – und dann erst die Nega­ti­on. Es schwebt also immer die Gefahr mit, dass die Leser die Nega­ti­on über­se­hen oder ver­ges­sen. Damit sind Miss­ver­ständ­nis­se vor­pro­gram­miert.

Außer­dem schwingt auch hier etwas Unkon­kre­tes mit. Wir bekom­men eine Infor­ma­ti­on – und dann wird sie umge­dreht. Vergleiche:

„Fritz­chen will Lies­chen nicht verlieren.“

„Fritz­chen will um Lies­chen kämpfen.“

Der nega­ti­ve Satz drückt vor allem Angst, Pas­si­vi­tät und eine Opfer­rol­le aus. Im posi­ti­ven Satz ist Fritz­chen aktiv und han­delt. Wel­che Vari­an­te von Fritz­chen ist dem Leser wohl sympathischer?

Das­sel­be gilt übri­gens auch für ver­nei­nen­de Suf­fi­xe wie „-los“ und „-frei“ und Prä­fi­xe wie „un-“. Denn die Wör­ter „gren­zen­los“, „ein­wand­frei“ und „unschön“ bestehen größ­ten­teils immer noch aus den Wör­tern „Gren­ze“, „Ein­wand“ und „schön“. Wenn eine Negie­rung also kei­nen bestimm­ten Zweck erfüllt, soll­test Du lie­ber auf Wör­ter wie „voll­kom­men“ oder „ewig“, „per­fekt“ oder „rich­tig“ und „häss­lich“ oder „schlecht“ zurück­grei­fen. Das sind kla­re, ein­deu­ti­ge Aus­sa­gen, die Auto­ri­tät ausstrahlen.

Und natür­lich gilt das Gan­ze umso mehr für dop­pel­te Ver­nei­nun­gen. Ver­glei­che:

„Fritz­chen fand Lies­chen nicht unschön.“

„Fritz­chen fand Lies­chen schön.“

Gib es zu: „Nicht unschön“ ist ein ver­wir­ren­des – und vor allem über­flüs­si­ges – Nega­ti­ons-Laby­rinth. Tu es Dei­nen Lesern nicht an. Zumin­dest nicht ohne guten Grund.

Der Infinitiv

Die vier­te und letz­te sper­ri­ge Kon­struk­ti­on ist der Infi­ni­tiv. Wir alle ken­nen ihn: Er macht simp­le Aus­sa­gen zu end­lo­sen Schach­tel­sät­zen. Zum Beispiel:

„End­lich trau­te sich Fritz­chen, Lies­chen auf ein Date einzuladen.“

War­um for­mu­liert man es nicht einfacher?

„End­lich lud Fritz­chen Lies­chen auf ein Date ein.“

Der Infi­ni­tiv macht die Spra­che äußert schwer­fäl­lig – vor allem, wenn er häu­fig vor­kommt. Es gilt daher auch hier: Wenn Du ihn nicht unbe­dingt brauchst – weg damit!

Stilfalle 3: Wortwahl

Doch nicht nur beim For­mu­lie­ren von Sät­zen kann eini­ges schief lau­fen. Auch bei der Wort­wahl lau­ern vie­le Gefahren.

Wie Du Dir nach dem Abschnitt über die Satz­län­ge den­ken kannst, ist auch die Län­ge ein­zel­ner Wör­ter wich­tig. Ach­te dar­auf, dass die Wör­ter in Dei­nen Tex­ten maxi­mal 4 Sil­ben ent­hal­ten. Wenn das Wort, das Du ver­wen­den willst, län­ger ist, suche lie­ber nach einem kür­ze­ren Syn­onym. – Und selbst wenn das Wort nur drei oder vier Sil­ben hat: Wenn es ein kür­ze­res Syn­onym gibt, benut­ze es!

Sei auch vor­sich­tig mit Fach­spra­che, Slang und Fremd­wör­tern. Hier sind natür­lich Dei­ne Ziel­grup­pe und Dein Set­ting ent­schei­dend: Wenn Dei­ne Geschich­te in einem Kran­ken­haus spielt, wer­den natür­lich eini­ge medi­zi­ni­sche Fach­aus­drü­cke fal­len. Wenn es um Teen­ager geht, darfst Du auch Wör­ter ver­wen­den, die älte­re Men­schen viel­leicht nicht ver­ste­hen. Hal­te die Men­ge sol­cher Wör­ter jedoch immer mög­lichst klein.

Ver­zich­te bit­te, bit­te auch auf alles, was sich nach Behör­den oder Rechts­tex­ten anhört. Das sind Wör­ter und For­mu­lie­run­gen wie: hin­sicht­lich, ins­be­son­de­re, wäh­rend­des­sen, auf­grund von, insofern …

Auf­pas­sen soll­test Du auch bei Wör­tern, die ein­fach nur dop­pelt-gemop­pel­ter Unsinn sind. Zum Bei­spiel: aller­meis­te, ein­zigs­ter … – Man kann nicht ein­zi­ger sein als einzig!

Eine wei­te­re Gefahr sind Sub­stan­ti­vie­run­gen. Denn auch sie gehö­ren zu den Din­gen, die das Gehirn zum Umden­ken zwin­gen. Ver­glei­che selbst:

„Die Bau­ern ergrif­fen Maß­nah­men zur Schädlingsbekämpfung.“

„Die Bau­ern bekämpf­ten Schädlinge.“

Wel­cher Satz ist ver­ständ­li­cher? Daher Vor­sicht bei Wör­tern, die auf „-ung“ enden! Das sind oft sub­stan­ti­vier­te Verben.

Sub­stan­ti­vier­te Adjek­ti­ve hin­ge­gen erkennt man oft an den Endun­gen „-heit“, „-keit“ und „-nis“. Auch sie machen Tex­te kom­pli­ziert. Vergleiche:

„Zwi­schen Fritz­chen und Lies­chen herrsch­te Einigkeit.“

„Fritz­chen und Lies­chen waren sich einig.“

Stilfalle 4: Überflüssige Wörter und Information

Jetzt haben wir lang und breit dar­über gespro­chen, was alles para­phra­siert gehört. Wor­über wir aber noch unbe­dingt reden müs­sen, sind Din­ge, die Du kom­plett strei­chen solltest.

An ers­ter Stel­le ste­hen hier natür­lich Füll­wör­ter. Das sind Wör­ter wie: also, eigent­lich, über­haupt, nun, dann, doch, irgend­wie … Ja, sie tra­gen manch­mal zur Bedeu­tung eines Sat­zes bei oder lockern die Spra­che etwas auf. Aber in sehr, sehr vie­len Fäl­len tra­gen sie nichts zum Text bei und zie­hen ihn künst­lich in die Län­ge. Lass sie lie­ber weg.

Etwas schwie­ri­ger zu erken­nen sind hin­ge­gen über­flüs­si­ge Adjek­ti­ve und Adver­bi­en sowie ver­zicht­ba­re Text­ab­schnit­te. Schau­en wir uns das Gan­ze etwas genau­er an.

Überflüssige Adjektive und Adverbien

Adjek­ti­ve und Adver­bi­en sol­len einem Text theo­re­tisch mehr Leben und Far­be ver­lei­hen. Doch oft sind sie schlicht­weg über­flüs­sig. Schau des­we­gen immer genau hin, ob Du sie wirk­lich brauchst! Zum Beispiel:

„Du bist doof!“, schrie Lieschen.

„Du bist doo­fer!“, rief Fritz­chen verärgert.

In die­ser Situa­ti­on ergibt es sich von selbst, dass Fritz­chen ver­är­gert ist. Und abge­se­hen davon schreit die­ser Dia­log nach „Show, don’t tell“.

Ande­res Beispiel:

„Mei­ne Eltern lasen mein Zeug­nis mit sicht­li­chem Stolz.“

Ähem. Wenn der Stolz der Eltern nicht „sicht­lich“ wäre, wür­de das „Ich“ es nicht sehen. Beschrei­be lie­ber, wie sie vor Stolz nur so strah­len. Wie sie das „Ich“ loben. Denn auch die­ser Satz schreit nach „Show, don’t tell“.

Und weil alle guten Din­ge drei sind:

„Fritz­chen nahm Anlauf und sprang ins feuch­te Nass.“

… Hast Du schon mal tro­cke­nes Nass gese­hen? Schrei­be lie­ber: „plansch­te ins Was­ser“ oder sowas. Das­sel­be gilt natür­lich auch für „grü­nes Gras“, „har­ten Beton“ und so wei­ter und so fort.

Inhaltliche Zusammenfassungen

Über­flüs­sig sind, wie gesagt, ger­ne mal auch gan­ze Text­ab­schnit­te. Abge­se­hen von über­flüs­si­gen Sze­nen, die nichts zur Geschich­te bei­tra­gen, gibt es da näm­lich auch das Phä­no­men der nutz­lo­sen inhalt­li­chen Zusam­men­fas­sun­gen und Erklärungen.

Hier ein äußerst sünd­haf­tes Bei­spiel aus einer frü­he­ren Ver­si­on mei­nes eige­nen Manuskripts:

Für den Kon­text: Mein Prot­ago­nist mit dem Spitz­na­men Jara ist Kadett an einer Aka­de­mie, wo er zum Eli­te­sol­da­ten aus­ge­bil­det wird. Zur Aus­bil­dung gehört auch zere­mo­ni­el­ler Wach­dienst vor dem Tor der Aka­de­mie. Und wäh­rend des Wach­diens­tes machen sich eini­ge Pas­san­ten einen Spaß dar­aus, die unbe­weg­li­chen Wäch­ter zu provozieren.

Eine beson­de­re Art von Pro­vo­ka­ti­on kommt von einer Grup­pe Mäd­chen. Sie redu­zie­ren die Kadet­ten offen auf Objek­te sexu­el­ler Begier­de und reden über äußerst inti­me The­men. Ein Mäd­chen namens Cor­ne­lia ist gera­de dabei, eine hit­zi­ge Dis­kus­si­on zu verlieren.

„Cor­ne­lia rümpf­te nur belei­digt die Nase, wäh­rend Jara mit größ­ter Mühe der Ver­su­chung wider­stand, in den gefühl­ten Abgrund neben ihm zu sprin­gen. Er press­te die Zäh­ne noch stär­ker auf­ein­an­der und stand fest und stei­nern mit sei­ner Hel­le­bar­de in der Hand wie ein Fels in der Bran­dung. Die weib­li­chen Inti­mi­tä­ten prall­ten gegen ihn, eine Wel­le nach der ande­ren, und er gab sich größ­te Mühe, die gan­zen Wahr­hei­ten über das weib­li­che Geschlecht, die auf ihn nur so ein­pras­sel­ten, zu überhören.“
(Anmer­kung: Der „gefühl­te Abgrund“ hat sich bereits an frü­he­rer Stel­le zwi­schen Jara und sei­nem Kame­ra­den auf der ande­ren Sei­te des Tores aufgetan.)

Was ist an die­sem einen Absatz also alles falsch?

  • Zunächst erst­mal: Dass Cor­ne­lia „belei­digt“ ist, ist aus dem Zusam­men­hang klar. Über­flüs­si­ges Adverb. Weg damit.
  • Der ers­te Satz ent­hält einen Infinitiv.
  • Dass der „Fels in der Bran­dung“ „fest und stei­nern“ ist, ver­steht sich von selbst. Löschen.
  • Die Sät­ze sind gene­rell sehr lang. Kürzen.
  • Und nun wor­um es mir hier eigent­lich geht: Der letz­te Satz, der immer­hin den hal­ben Absatz aus­macht, ist nicht nur lang, son­dern auch kom­plett über­flüs­sig. Er fasst ein­fach nur zusam­men, was der Leser gera­de erst gele­sen hat. Außer­dem ver­wäs­sert das Geschwa­fel das Bild vom „Fels in der Bran­dung“. Also weg mit die­ser unnö­ti­gen Erklärung.

In der aktu­el­len Ver­si­on des Manu­skripts lau­tet die­se Stel­le so:

„Cor­ne­lia rümpf­te nur die Nase, wäh­rend der gefühl­te Abgrund Jara ein­la­dend angrins­te. Er press­te die Zäh­ne noch stär­ker auf­ein­an­der und stand mit sei­ner Hel­le­bar­de da wie ein Fels in der Brandung.“

- Und? Spürst Du den Unterschied?

Weitere Bemerkungen

Nun haben wir ganz aus­führ­lich über jede Men­ge „Don’t„s gespro­chen. Was sind aber die „Do„s?

An ers­ter Stel­le soll­test Du natür­lich für Dei­ne Ziel­grup­pe schrei­ben. Ein Buch für Kin­der muss viel ein­fa­cher geschrie­ben sein als ein Buch für Erwach­se­ne. Doch für prak­tisch alle Ziel­grup­pen gilt:

In der Kür­ze liegt die Würze!

Außer­dem:

Schrei­be mög­lichst nah an der gespro­che­nen Spra­che. Denn sie fühlt sich am natür­lichs­ten an.

Hal­te sie außer­dem so bild­haft und emo­tio­nal wie mög­lich. Stich­punkt: „Show, don’t tell“ und Kopfkino.

Und doch … Manchmal …

Manch­mal erfüllt kom­pli­zier­te Spra­che durch­aus einen bestimm­ten Zweck. Ent­schei­de also selbst, wie skla­visch Du Dich an die Tipps in die­sem Arti­kel hal­ten willst!

4 Kommentare

  1. Zu dei­nem Manu­skript: „Wie ein Fels in der Bran­dung“ ist auch ein geeig­ne­ter Fraß für die Lösch­tas­te. Eine abge­latsch­te Meta­pher. Bes­ser klingt: „Er stand stei­nern mit sei­ner Hel­le­bar­de da“, das erweckt auto­ma­tisch Bil­der vom Fels in der Bran­dung und weist außer­dem eine schö­ne Alliteration.

    Nachwuchsschreiber
    1. Du hast abso­lut recht. An die­ser kon­kre­ten Stel­le macht eine abge­latsch­te Meta­pher mei­ner Mei­nung nach aber durch­aus Sinn, weil der nächs­te Satz beginnt mit: „Das rede­te er sich zumin­dest ein.“ Der kli­schee­haf­te Fels in der Bran­dung ist also eher das Bild, das ein Nicht-Lite­rat für sich selbst erzeugt. Aber in dem Text/​Video habe ich die­sen Aspekt nicht erwähnt, daher hast Du auf jeden Fall recht und das ist eine wich­ti­ge Bemer­kung. Vie­len Dank!

      Was die Alli­te­ra­ti­on angeht, so fän­de ich per­sön­lich sie eher deplat­ziert bzw. der Satz liest sich dadurch holp­ri­ger. – Ein­fach, weil sie nichts aus­drückt, dafür aber einen Semi-Zun­gen­bre­cher erzeugt.

    1. Meinst Du Wie­der­ho­lun­gen von Wör­tern? Es gibt Soft­ware, die sie erkennt und mar­kiert – die Syn­ony­me oder Umschrei­bun­gen oder was auch immer muss man aber selbst ein­fü­gen. Die Soft­ware, die ich benut­ze, ist Papy­rus Autor, aber das kos­tet um die 200 €, ist also nicht für jeden Geldbeutel.

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