Komma bei Neben­sätzen, Infi­nitiv- und Par­ti­zi­pi­al­gruppen, schwie­rige Kon­junk­tionen („das“, „dass“ und „daß“; „als“ und „wie“; „und“ und „oder“)

Komma bei Neben­sätzen, Infi­nitiv- und Par­ti­zi­pi­al­gruppen, schwie­rige Kon­junk­tionen („das“, „dass“ und „daß“; „als“ und „wie“; „und“ und „oder“)

Wann muss man im Deut­schen ein Komma setzen? Welche Arten von Neben­sätzen gibt es? Wann muss man bei Infi­nitiv- und Par­ti­zi­pi­al­gruppen ein Komma setzen und wann nicht? Was ist der Unter­schied zwi­schen „das“, „dass“ und „daß“? Und wann setzt man ein Komma vor „als“, „wie“, „und“ und „oder“? Darum geht es in diesem Artikel.

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Lange ist es her, dass wir über Recht­schrei­bung, Gram­matik und Zei­chen­set­zung gespro­chen haben! Säumen wir also nicht weiter und widmen uns fünf neuen Themen: diesmal nicht kun­ter­bunt gemischt, son­dern mit Schwer­punkt auf der Kom­ma­set­zung:

Wann muss ein Komma gesetzt werden? Wann kann ein Komma gesetzt werden? Und wann darf man kein Komma setzen, obwohl man es viel­leicht gerne tun würde?

Dar­über reden wir in diesem Artikel.

Die heu­tigen Themen:

Komma bei Neben­sätzen

Man beherrscht einen guten Teil der Kom­ma­set­zung, wenn man ein­fach nur stets daran denkt, Neben­sätze zu iden­ti­fi­zieren und von Haupt­sätzen abzu­trennen. Haupt­sätze tragen dabei die Haupt­aus­sage des Satz­ge­füges; Neben­sätze ergänzen sie und sind damit unter­ge­ordnet. Die Tren­nung durch Kom­mata ist daher äußerst wichtig, damit die Haupt­aus­sage und die ergän­zenden Infor­ma­tionen sich nicht inein­ander ver­hed­dern.

Kom­mata setzt man also nicht nur, weil man das in der Schule ein­ge­trich­tert bekommen hat, son­dern auch um den Text leser­lich zu machen. Das ist genauso wie mit Kör­per­pflege: Du magst eine groß­ar­tige Per­sön­lich­keit haben, aber wenn Du unge­duscht, in dre­ckigen Kla­motten und mit Mund­ge­ruch her­um­läufst, wird nie­mand etwas mit Dir zu tun haben wollen. Wenn Du möch­test, dass andere sich auf Deine Per­sön­lich­keit bzw. Deinen Text ein­lassen, dann muss auch das Äußere stimmen.

Schreib’s Dir also hinter die Ohren:

Feh­ler­hafte Kom­ma­set­zung stört nicht nur den Lese­fluss, son­dern ist auch respektlos gegen­über dem Leser.

Arten von Neben­sätzen

Wie erkennst Du also einen Neben­satz?

Allem voran kann er nicht für sich alleine stehen, son­dern ist immer vom Haupt­satz anhängig. Der Haupt­satz hin­gegen kann für sich alleine stehen.

Aller­dings ent­hält ein Neben­satz den­noch eine voll­wer­tige Aus­sage mit Sub­jekt und Prä­dikat.

Man kann Neben­sätze nach ihrer gram­ma­ti­ka­li­schen Funk­tion im Satz unter­teilen, nach Ein­lei­tung und nach ihrer Ver­knüp­fung mit den anderen Satz­teilen. In diesem Artikel unter­teilen wir die Neben­sätze nach ihrer Ver­knüp­fung mit den anderen Satz­teilen, weil ich das für den all­täg­li­chen Sprach­ge­brauch am sinn­vollsten finde:

  • Bei der indi­rekten Rede und bei indi­rekten Fragen wird im Haupt­satz etwas gesagt, gedacht, gewusst, nicht gewusst, gefragt, erzählt etc. und der Neben­satz ent­hält den Inhalt des Gesagten, Gedachten, Gewussten etc.

Bei­spiele:

Fritz­chen sagt, er habe die Kom­ma­set­zung ver­standen.

Warum manche sich mit der Kom­ma­set­zung schwertun, geht ein­fach nicht in Lies­chens Kopf.

Erna bewies letz­tens, dass man bei der Kom­ma­set­zung nur einige Grund­prin­zi­pien ver­in­ner­li­chen muss.

Ich frage mich, wann du end­lich meinen You­Tube-Kanal abon­nieren wirst.

  • Kon­junk­tio­nal­sätze sind vor allem an Kon­junk­tionen zu erkennen, d. h. zum Bei­spiel an fol­genden Wört­chen: aber, als, bevor, bis, da, damit, dass, denn, ehe, falls, indem, jedoch, nachdem, ob, obgleich/obschon/obwohl, seit, seitdem, sobald, sodass, sofern, solange, sooft, soweit, soviel, wäh­rend, weil, wenn, wie, wohin­gegen … Somit geht es bei Kon­junk­tio­nal­sätzen um Zusatz­in­for­ma­tionen wie frü­here, gleich­zei­tige oder spä­tere Ereig­nisse, Gründe, die Art und Weise, Bedin­gungen, Ein­schrän­kungen und Hin­der­nisse.

Bei­spiele:

Fritz­chen legt auf Kom­ma­set­zung viel Wert, weil er seine Leser respek­tiert.

Obwohl Lies­chen sich vor der Kom­ma­set­zung anfangs fürch­tete, hat sie das Prinzip dahinter schnell ver­standen.

Nachdem sie auf der ersten Seite zwanzig Kom­ma­fehler gezählt hatte, gab Erna die Lek­türe auf.

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  • Bei Kon­di­tio­nal­sätzen werden Bedin­gungen auf­ge­stellt. Diese können sowohl real sein als auch irreal, d. h. hypo­the­tisch.

Bei­spiele:

Wenn Fritz­chen sich bei einem Komma nicht sicher ist, schlägt er die ent­spre­chende Regel nach.

Sollte Lies­chen mal einen Kom­ma­fehler machen, wird sie ihn sofort kor­ri­gieren.

Erna liest gerne, außer wenn ein Text voller Fehler ist.

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  • Rela­tiv­sätze ent­halten zusätz­liche Infor­ma­tionen zu einem Sub­stantiv oder Pro­nomen, also zu einem Lebe­wesen, Gegen­stand oder einem abs­trakten Begriff. Gebildet werden sich mit einem Rela­tiv­pro­nomen (der, die, das, wel­cher, welche, wel­ches, wer, was), das auch dekli­niert werden kann.

Bei­spiele:

Die Kom­ma­set­zung, die vielen Kopf­zer­bre­chen bereitet, ist doch gar nicht so schwer.

Die Kom­ma­set­zung, deren Regeln meis­tens recht klar und logisch sind, bedeutet vielen Kopf­zer­bre­chen.

Wer bei der Kom­ma­set­zung Hilfe braucht, findet im Internet viele Erklä­rungen und Bei­spiele.

Du, der oder die du gerade dieses Video schaust, soll­test diesen Kanal längst abon­niert haben.

Außerdem gibt es noch Infi­nitiv- und Par­ti­zi­pi­al­gruppen. Über die reden wir aber gleich noch geson­dert, weil da Kom­mata manchmal auch weg­ge­lassen werden können und die Erklä­rungen dem­entspre­chend aus­führ­li­cher aus­fallen.

Ergän­zende Bemer­kungen

Dir wird sicher bereits auf­ge­fallen sein, dass ein Neben­satz auch in meh­rere Kate­go­rien fallen kann. Hier haben wir bei­spiels­weise indi­rekte Rede und einen Kon­junk­tio­nal­satz zugleich:

Ich frage mich, ob du meinen Kanal schon abon­niert hast.

Außerdem gibt es Aus­nah­me­fälle, bei denen das Komma weg­ge­lassen werden kann. So bei­spiels­weise bei for­mel­haften ver­kürzten Neben­sätzen:

Wie ange­kün­digt(,) erläu­tere ich jetzt die Kom­ma­set­zung.
(Wie ich vorhin ange­kün­digt habe, erläu­tere ich jetzt die Kom­ma­set­zung.)

Wenn die ver­kürzten Neben­sätze nicht for­mel­haft sind, muss aber ein Komma gesetzt werden:

Wie vorhin im Intro des Arti­kels klar und deut­lich ange­kün­digt, erläu­tere ich jetzt die Kom­ma­set­zung.

Wenn ein Zwi­schen­ding vor­liegt, musst Du selbst beur­teilen, ob ein Komma erfor­der­lich ist. Im Zwei­fels­fall ist ein Komma aber immer richtig:

Wie vorhin ange­kün­digt, erläu­tere ich jetzt die Kom­ma­set­zung.

Ansonsten können Kom­mata auch bei ver­kürzten Fra­ge­sätzen, die nur aus einem ein­zigen Fra­ge­wort bestehen, weg­ge­lassen werden:

Ich weiß nicht(,) warum.
(Ich weiß nicht, warum das so ist.)

Komma bei Infi­ni­tiv­gruppen

Infi­ni­tiv­gruppen sind leicht zu erkennen, weil sie mit „zu“ und einem Infi­nitiv gebildet werden. Schwie­rig­keiten bereiten sie haupt­säch­lich des­wegen, weil hier manchmal ein Komma gesetzt werden muss – und manchmal nicht. Du kannst Dir des Kommas aber zu 100 Pro­zent sicher sein, wenn

  • die Kon­struk­tion durch eine unter­ord­nende Kon­junk­tion (um, ohne, statt, anstatt, außer, als) ein­ge­leitet wird:

Ich mache dieses Video, um dir bei der Kom­ma­set­zung zu helfen.

  • die Infi­ni­tiv­gruppe von einem Sub­stantiv abhängt:

Erna hat die Absicht, die Kom­ma­set­zung eines Tages per­fekt zu beherr­schen.

  • ein Bezugs­wort im Haupt­satz auf die Infi­ni­tiv­gruppe ver­weist:

Fritz­chen fällt es leicht, die Kom­ma­set­zung zu ver­stehen.

Wenn hin­gegen nur ein bloßer, nackter Infi­nitiv ohne alles vor­liegt, darf das Komma auch weg­ge­lassen werden:

Ich mache dieses Video(,) um zu helfen.

In allen anderen Fällen darf man das Komma setzen, muss es aber nicht:

Sich durch einen kom­ma­losen Text zu kämpfen(,) fällt Erna schwer.

Bei solch langen Kon­struk­tionen würde ich per­sön­lich das Komma aber unbe­dingt emp­fehlen, weil es sonst schnell unüber­sicht­lich wird. Bei kür­zeren Infi­ni­tiv­gruppen ist ein weg­ge­las­senes Komma aber nicht mehr ver­wir­rend.

Ein Komma muss aber unbe­dingt gesetzt werden, wenn der Satz sonst miss­ver­ständ­lich wird:

Lies­chen über­legt heute, die Kom­mata in ihren Texten richtig zu setzen.

Lies­chen über­legt, heute die Kom­mata in ihren Texten richtig zu setzen.

Hier ent­scheidet das Komma dar­über, ob Lies­chen heute über­legt, die Kom­mata gene­rell richtig zu setzen, oder ob Lies­chen über­legt, die Kom­mata heute aus­nahms­weise richtig zu setzen.

Es gibt aber auch Fälle, da darf man kein Komma setzen, obwohl da ein Infi­nitiv mit „zu“ steht. Das sind aber in der Regel Sätze, bei denen ohnehin nie­mand ver­sucht ist, ein Komma rein­zu­schieben, weil der Infi­nitiv ein so ein fester Bestand­teil des Haupt­satzes ist:

Gute Kom­ma­set­zung ist nicht zu ver­nach­läs­sigen.

Komma bei Par­ti­zi­pi­al­gruppen

Par­ti­zi­pi­al­gruppen werden – o Wunder! – mit Par­ti­zi­pien gebildet. Also ent­weder mit dem Par­tizip I oder Par­tizip II, d. h. mit Verb­formen, die ent­weder auf „-end“ enden oder mit „ge-“ anfangen. Zumin­dest meis­tens. Und wenn eine Par­ti­zi­pi­al­gruppe ohne Bezugs­wort vor­an­ge­stellt ist oder nach Sub­jekt und Prä­dikat ein­ge­schoben wird, ist das Komma optional:

Liter­weise Kaffee trin­kend(,) kor­ri­gierte Fritz­chen alle Kom­ma­fehler in seinem Manu­skript.

Die Duden-Seite über Kom­ma­re­geln im Brow­sertab geöffnet(,) über­prüfte Lies­chen ihren Text.

Erna las(,) den Mund ver­zie­hend(,) den vor Feh­lern strot­zenden Text.

Ver­pflich­tend ist das Komma aber, wenn die Par­ti­zi­pi­al­gruppe nach­ge­stellt oder zwi­schen Sub­jekt und Prä­dikat gequetscht wird oder wenn ein Bezugs­wort invol­viert ist:

Erna las den vor Feh­lern strot­zenden Text, den Mund ver­zie­hend.

Die Schreib­technikerin, den Körper mit Kof­fein voll­ge­pumpt, arbei­tete an einem neuen Video.

Liter­weise Kaffee trin­kend, so kor­ri­gierte Fritz­chen alle Kom­ma­fehler in seinem Manu­skript.

Auch soll­test Du unbe­dingt ein Komma setzen, wenn der Satz sonst miss­ver­ständ­lich wird:

Fritz­chen kor­ri­gierte heute, liter­weise Kaffee trin­kend, alle Fehler in seinem Manu­skript.

Fritz­chen kor­ri­gierte, heute liter­weise Kaffee trin­kend, alle Fehler in seinem Manu­skript.

Außerdem gelten bei Wort­gruppen, bei denen man sich Par­ti­zi­pien hin­zu­denken kann, die­selben Regeln wie bei Par­ti­zi­pi­al­gruppen:

Die Duden-Seite über Kom­ma­re­geln im Brow­sertab(,) über­prüfte Lies­chen ihren Text.

Und wenn Du nun bei Deinen Par­ti­zi­pi­al­gruppen hin- und her­ge­rissen bist, ob Du dieses optio­nale Komma nun setzen sollst oder nicht, dann ent­scheide nach den Kri­te­rien der Über­sicht­lich­keit und Beto­nung. Ist eine Par­ti­zi­pi­al­gruppe kurz und ein­fach, ist es kein Pro­blem, wenn das Komma weg­ge­lassen wird. Ist die Par­ti­zi­pi­al­gruppe lang und/oder der Satz ins­ge­samt ver­schach­telt, dann macht ein Komma Sinn, damit der Leser weiß, was zusam­men­ge­hört und was nicht. Aus sti­lis­ti­schen Gründen kann es sich jedoch manchmal lohnen, auch eine ganz kurze Par­ti­zi­pi­al­gruppe durch ein Komma abzu­trennen, weil das Komma eine Pause signa­li­siert und somit die Par­ti­zi­pi­al­gruppe betont.

Ver­gleiche:

Streng­ge­nommen sind Kom­mata bei Par­ti­zi­pi­al­gruppen optional.

Streng­ge­nommen, sind Kom­mata bei Par­ti­zi­pi­al­gruppen optional.

Schwie­rige Kon­junk­tionen

Jetzt, wo wir die Grund­re­geln kennen, können wir auf ein paar Kon­junk­tionen ein­gehen, die immer wieder für Schwie­rig­keiten sorgen.

Unter­schei­dung von „das“, „dass“ und „daß“

Die Kon­junk­tion „dass“ ist berüch­tigt dafür, dass viele sie nicht vom „das“ und vom „daß“ unter­scheiden können. Aller­dings ist die Unter­schei­dung durchaus ein­fach, wenn man darauf achtet, welche Funk­tion das „dass/das/daß“ ein­nimmt.

Allem voran: Das „daß“ gibt es im Deut­schen nicht mehr, außer in älteren Texten, die (noch) nicht an die heu­tige Recht­schrei­bung ange­passt wurden. Aber ansonsten sind „daß“ und „dass“ genau das­selbe. Nur schrieb man bis 1996 „daß“, seit 1996 schreibt man „dass“.

Der Unter­schied zwi­schen „dass“ und „das“ ist dagegen wesent­lich größer:

  • Denn das „dass“ gibt es nur als unter­ord­nende Kon­junk­tion, die einen Neben­satz ein­leitet:

Fritz­chen weiß, dass manche Men­schen sich mit der Recht­schrei­bung schwertun.

Dass schlechte Kom­ma­set­zung eine Respekt­lo­sig­keit gegen­über dem Leser dar­stellt, ist Lies­chen bewusst.

  • Das „das“ hin­gegen ist ent­weder ein Artikel oder ein Pro­nomen:

Artikel: Das rich­tige Kom­ma­setzen fällt Erna leicht.

Rela­tiv­pro­nomen: Das Komma, das Erna gesetzt hat, macht den Satz leser­li­cher.

Demons­tra­tiv­pro­nomen: Das fällt Erna über­haupt nicht schwer.

Wenn Du Dir nicht sicher bist, dann kannst Du ver­su­chen, das „dass/das“ durch „dies(es)“, „jenes“ oder „wel­ches“ zu ersetzen. Denn wie gesagt, das „dass“ ist eine Kon­junk­tion und kann nicht ersetzt werden. Bzw. wenn man die Erset­zung vor­nimmt, macht der Satz keinen Sinn mehr:

Fritz­chen weiß, dieses/jenes/welches manche Men­schen sich mit der Recht­schrei­bung schwertun.

Das „das“ hin­gegen lässt sich pro­blemlos aus­tau­schen:

Dieses rich­tige Kom­ma­setzen fällt Erna leicht.

Das Komma, wel­ches Erna gesetzt hat, macht den Satz leser­li­cher.

Dies fällt Erna über­haupt nicht schwer.

Kom­ma­set­zung bei „als“ und „wie“

Schwie­rig­keiten bereitet oft auch die Kon­junk­tion „als“, weil sie manchmal mit einem Komma ein­her­geht und manchmal nicht. Es ist daher immer zu prüfen, ob es wirk­lich einen Neben­satz ein­leitet. Mein Trick: Ein­fach schauen, ob der ver­meint­liche Neben­satz ein Prä­dikat hat oder nicht.

Ein Komma setzt man zum Bei­spiel, wenn der Neben­satz in einem zeit­li­chen Ver­hältnis zum Haupt­satz steht:

Als Lies­chen die Grund­prin­zi­pien begriff, fiel die Kom­ma­set­zung ihr nicht mehr schwer.

(Beachte hier „begriff“, das Prä­dikat des Neben­satzes.)

Auch bei Ver­glei­chen wird ein Komma gesetzt, wenn ein Neben­satz gegeben ist:

Lies­chen beherrscht die Kom­ma­set­zung besser, als Fritz­chen es tut.

(Hier ist „tut“ das Prä­dikat des Neben­satzes.)

Aber Vor­sicht, jetzt wird es span­nend:

Lies­chen beherrscht die Kom­ma­set­zung besser als Fritz­chen.

Hier wird kein Komma gesetzt, weil „als“ keinen Neben­satz ein­leitet.

Ein ähn­li­ches Prinzip gilt beim Wört­chen „wie“:

Mit Komma: Lies­chen beherrscht die Kom­ma­set­zung genauso gut, wie Fritz­chen es tut.

Ohne Komma: Lies­chen beherrscht die Kom­ma­set­zung genauso gut wie Fritz­chen.

Ein Komma setzt man auch, wenn das „als“ oder „wie“ eine Infi­ni­tiv­gruppe ein­leitet:

Nichts bereitet Erna mehr Freude, als richtig gesetzte Kom­mata zu sehen.

Bei Par­ti­zi­pien bzw. Par­ti­zi­pi­al­gruppen ist hin­gegen zu prüfen, ob das Par­tizip Teil eines Prä­di­kates im Neben­satz ist:

Mit Komma: Fritz­chen beherrscht die Kom­ma­set­zung besser, als Lies­chen erwartet hatte.

Ohne Komma: Fritz­chen beherrscht die Kom­ma­set­zung besser als erwartet.

Komma vor „und“ und „oder“

Zwei Kon­junk­tionen, bei denen einem in der Schule ein­ge­trich­tert wird, dass vor ihnen kein Komma gesetzt wird, sind „und“ und „oder“. Und die Wahr­heit ist: Manchmal gehört da doch ein Komma vor.

Dass vor „und“ und „oder“ nor­ma­ler­weise kein Komma steht, liegt daran, dass diese beiden Kon­junk­tionen in der Regel gleich­wer­tige Ele­mente ver­binden. Zum Bei­spiel zwei Haupt­sätze:

Fritz­chen arbeitet an seiner Ortho­grafie und Lies­chen macht Übungen zur Kom­ma­set­zung.
(Fritz­chen arbeitet an seiner Ortho­grafie. + Lies­chen macht Übungen zur Kom­ma­set­zung.)

Erna schrieb ihren Text zu Ende und schickte ihn dann an ihre Lek­torin.
(Erna schrieb ihren Text zu Ende. + Dann schickte sie ihn an ihre Lek­torin.)

Ich kann jetzt an diesem Video wei­ter­ar­beiten oder mir einen schönen Tag machen.
(Ich kann jetzt an diesem Video wei­ter­ar­beiten. + Ich kann mir einen schönen Tag machen.)

Im Gegen­satz zu anderen Ele­menten, die durch ein „und“ oder ein „oder“ ver­bunden werden, darf zwi­schen Haupt­sätzen ein Komma stehen. Ver­gleiche:

Fritz­chen arbeitet an seiner Ortho­grafie und Lies­chen macht Übungen zur Kom­ma­set­zung.

Fritz­chen arbeitet an seiner Ortho­grafie, und Lies­chen macht Übungen zur Kom­ma­set­zung.

Das Komma kann man nicht nur zwecks bes­serer Über­sicht­lich­keit bei langen Sätzen benutzen, son­dern es geht auch um Stil und Beto­nung. Achte darauf, wie ein Komma immer eine Pause und damit einen kleinen Bedeu­tungs­aspekt mit sich bringt:

Im ersten Bei­spiel lesen sich die Tätig­keiten von Fritz­chen und Lies­chen wie eine banale Auf­zäh­lung, wer was macht.

Das Komma im zweiten Bei­spiel sorgt für eine klare Tren­nung der beiden Per­sonen und ihrer Tätig­keiten.

Ansonsten erfor­dert spe­ziell das „und“ ein Komma, wenn es einen ergän­zenden oder erläu­ternden Zusatz ein­leitet. Du erkennst dieses kom­mafor­dernde „und“ daran, dass es sich in Beglei­tung eines anderen Wört­chens befindet: „und zwar“, „und dies“, „und das“. Bei­spiel:

Im Text waren viele Kom­ma­fehler, und zwar genau 123.

Auch beim „oder“ ist manchmal ein Komma erfor­der­lich: näm­lich bei Ver­ge­wis­se­rungs­fragen. Gemeint sind diese kleinen Anhängsel, die auch durch „nicht wahr“ ersetzt werden können:

Jetzt hast du die Kom­ma­set­zung ver­standen, oder (nicht)?

Ansonsten wird vor „und“, „oder“ und jeder anderen kom­ma­losen Kon­junk­tion ein Komma gesetzt, wenn es das Ende von etwas in Kom­mata Ein­ge­schlos­senem mar­kiert:

Erna been­dete ihren Text, an dem sie zwei Jahre geschrieben hatte, und schickte ihn dann an ihre Lek­torin.

Ich kann jetzt an diesem Video wei­ter­ar­beiten, obwohl ich müde bin, oder mir einen schönen Tag machen.

Fritz­chen beherrscht die Kom­ma­set­zung besser, viel besser, als erwartet.

Fort­set­zung folgt …

Das war jetzt viel, aber nicht kom­pli­ziert, oder? Ich zumin­dest finde nur die ganzen optio­nalen Kom­mata frus­trie­rend, weil man da selbst ent­scheiden muss. Und dann starrt man eine gefühlte Ewig­keit lang den Satz an und sin­niert über die hauch­feinen Unter­schiede von Mit-Komma und Ohne-Komma. Wobei ich per­sön­lich in der Regel pro-Komma bin. Und so soll­test auch Du Dich für eine Ten­denz ent­scheiden: Ent­weder Du setzt bei einer Sache die optio­nalen Kom­mata oder nicht. Mal so, mal so mag gram­ma­ti­ka­lisch kor­rekt sein, aber es liest sich chao­tisch und ist daher zu ver­meiden.

Ent­scheide bei den optio­nalen Dingen, wie Du stan­dard­mäßig vor­gehst, und weiche davon nur ab, wenn Du damit etwas Bestimmtes aus­drü­cken willst.

Ansonsten: Was sollen wir uns im nächsten Teil der Reihe vor­knöpfen? Welche Fragen hast Du zu Recht­schrei­bung, Gram­matik und Zei­chen­set­zung? Der Kom­men­tar­be­reich steht Dir offen!

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